Rezensionen

Die Pompadour in Ischl.

9. Juli 2023, 08:50 Uhr

Madame Pompadour: Maximilian Mayer & Julia Koci
(c) Foto Hofer

Sommerzeit ist Festival-Zeit, und daher purzeln im Moment die Premieren. Gestern hat das Lehar-Festival Bad Ischl, das nach eigenen Angaben zumindest das größte Operettenfestival Österreichs, wenn nicht sogar Europas ist, eröffnet. Es gab Madama Pompadour von Leo Fall, und unsere Kollegin Bernadette Spitzer war dabei. 

Der 1873 geborene Leo Fall zählt zu den bedeutendsten Komponisten der sogenannten Silbernen Operettenära. Sein größter Kollege war Franz Lehar, der einmal auf die Frage, ob er überhaupt einen Konkurrenten habe, geantwortet haben soll: “Das ist der Fall.” Fall hat die Pompadour 1922 geschrieben, nun wurde sie von Matthias Grimminger, Henning Hagedorn und Christoph Gruber neu arrangiert. Es finden sich nun unter anderem Rap-Elemente im Stück. Dass eine Operette, die einen historischen Stoff verarbeitet, wohl keinen Wert darauf legt, historisch getreu zu sein, liegt auf der Hand. Interessant ist der Fokus auf ein Thema, das durchaus aktuell ist: Im Zentrum steht eine durch und durch selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will, wie sie es erreichen kann und dass sie dafür mitunter Opfer bringen muss. Die berühmte Mätresse des französischen Königs Ludwig XV verliebt sich in einen Mann, der sich als Ehemann ihrer bis dahin unbekannten Halbschwester entpuppt. Am Schluss ist natürlich alles wieder gut, aber dazwischen geht es mitunter dramatisch bis tragisch zu, und da ist es eine Kunst, das Publikum bei heiterer Laune zu halten. Das gelingt etwa dem in Ischl bereits bekannten Kaj-Louis Lucke grandios. Er mimt den miserablen Dichter Calicot, der für seine Spottgedichte auf die Pompadour und den König mit dem Leben bezahlen soll, in tragik-komischer Brillanz. Die überdeckt auch seine stimmliche Schwäche. Höhepunkt ist der Moment, in dem er sein Todesurteil lesen möchte, es aber nicht übers Herz bringt. Seine Geliebte Belotte, sympathisch und stimmlich herzerwärmend porträtiert von Loes Cools, nimmt ihm das ab. Zum Glück stellt sich das Urteil als Irrtum heraus. 

Die Pompadour selbst wird von Julia Koci so interpretiert, wie man es erwartet: stark, präsent und souverän. Ihr Partner im Stück ist nicht der König, sondern der Mann ihres Herzens, Graf René. Maximilian Mayer beweist hier, warum er sein Gesangstudium in Wien mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Ein Tenor zum Dahinschmelzen. 

Intendant Thomas Enzinger führt Regie und schlüpft in die Rolle des Obersthofmeisters. Er hat für diese, seine eigene Produktion, offensichtlich keine Kosten gescheut. Auf der Bühne blinkt und blitzt es angenehm fürs Auge. Das Ensemble ist im Dauereinsatz. Möge es dafür reichlich entlohnt werden, so wie die Pompadour, die am Ende des Stücks von ihrem Ehemann zur Herzogin erhoben wird.  

© Bernadette Spitzer