Rubato

Mit oder ohne Sequenz.

6. November 2024, 11:00 Uhr

(c) Das Jüngste Gericht (Hans Memling um 1470)

Mit oder ohne Sequenz? Das hat durchaus Auswirkungen auf die Anmutung einer Totenmesse. Gabriel Fauré hat gut und gern darauf verzichtet mit den Worten: „Mein Requiem, so sagt man, drücke nicht die Schrecken des Todes aus; jemand hat es sogar ein Wiegenlied in den Tod genannt. Aber so empfinde ich den Tod eben: wie eine glückliche Befreiung, ein Einhauchen der Glückseligkeit, nicht als leidvollen Weg."

Hört man genauer hin, ist die Sequenz "Dies irae" eine existenzielle Auseinandersetzung mit dem Leben vor und nach dem Tod sowie letztlich eine Rettung des gläubigen Menschen aus der göttlichen Gnade heraus. In Musik gegossen ergibt das eine zusätziche Dimension.

Musikchefin Ursula Magnes präsentiert einen Reigen aus Werken von Stefano Bernardi, Italienier in Salzburg zur Zeit der Einweihung des neuen Domes. Kaiser Leopold I. komponierte das Requiem für seine erste Frau als Missa pro defunctis höchst persönlich. Was mag ihm wohl durch den Kopf gegangen sein? Der Spanier Pietro Heredia befindet sich an der Schwelle zwischen Renaissance und Frühbarock. Wolfgang Amadé Mozart verstarb über seinem Requiem. In der neuen Aufnahme mit Raphaël Pichon un seinem Ensemble Pygmalion tummeln sich auch allerhand andere Mozart-Werke, was einer theatralen Inszenierung des Requiems durch Romeo Castellucci geschuldet ist. André Campra verzichtet auf die düster polternde Sequenz, wobei sie Francesco Cavalli a cappella zart antupft.

Alles Werke, die lange vor der Eröffnung des Wiener Zentralfriedhofes 1874 geschaffen wurden. Seit dessen 100. Geburtstag heißt es bei Wolfgang Ambros und seiner Wiener Pop-Hymne "Es lebe der Zentralfriedhof": „Auf amoi is die Musi still, und alle Aug’n glänzen“ - still schon, ruhig keinesfalls.