Klaviermusik am Abend
Vergangenheit hören
6. Juli 2026, 20:00 Uhr
"Lebendige Vergangenheit" nannte Preiser Records-Produzent Jürgen Schmidt eine Serie, in der er historische Aufnahmen wieder der Öffentlichkeit verfügbar machte. Ja, solche Aufnahmen rauschen, kratzen und knistern, aber das, was zwischen diesen Störgeräuschen zu hören ist, ist wert, wiederentdeckt zu werden.
Im "Klaviermusik am Abend"-Sommerschwerpunkt 2026 wird die Interpretationskunst Artur Schnabels zu erleben sein. Jahrgang 1882, ging er erstmals 1932 in ein Tonstudio und war entsetzt ob der dort geforderten Bedingungen. Als reiner Konzertpianist bedurfte es großer Leidensfähigkeit, sich auf die technischen Gegebenheiten einzustellen. Seiner Frau Therese Behr-Schnabel beschrieb er diese Situation in einem Brief: „Diese Woche war ein Leidensweg, eine Folterkammer. […] man kann nur 4 Minuten spielen. In diesen 4 Minuten werden mitunter etwa 2000 Tasten oder mehr angeschlagen. Fallen 2 (zwei) davon unbefriedigend aus, so muss man alle 2000 wiederholen. Bei der Wiederholung sind die zuerst fehlerhaften berichtigt, aber zwei andere stören, also noch einmal 2000. Man tut es zehnmal, immer mit einem Damoklesschwert über dem Haupt: Schliesslich gibt man auf und lässt 20 schlechte darin. Ich bin körperlich und geistig zu schwach für dieses Verfahren. Ich war nahe am Zusammenbruch. Ich begann fast zu weinen, wenn ich allein auf der Strasse war. Niemals fühlte ich tiefere Einsamkeit. Mein Gewissen quälte mich.“
Ein Glück, dass er weitermachte - denn in den Jahren 1932 bis 1937 entstand so der bis heute als Referenzaufnahme geltende Zyklus sämtlicher Beethoven-Sonaten. Am 6. Juli stehen die Sonaten op. 13 "Pathétique" und op. 22 auf dem Programm. Als besondere Zugabe (und zur Entlastung der Ohren) gibt es dazwischen Schnabels Interpretation des "Dorfschwalben"-Walzers von Josef Strauss zu erleben, eine Einspielung aus dem Jahr 1905 auf einem Welte-Mignon-Reproduktionsklavier.
Mehr über Artur Schnabel im magazin KLASSIK No. 41, S. 36 f.
Die Beiträge werden gelesen von Alexandra Stockert und Christoph Wellner.
Internet-Tipp
© Monika Jaroš



