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Die Musik der Ankeruhr
1. September 2022, 00:00 Uhr
Eine Wiener Geschichte
Jeden Tag zu Mittag um 12.00 Uhr versammeln sich Kindergartengruppen, Schulklassen und Touristen am Hohen Markt im 1. Wiener Bezirk, um einem besonderen Schauspiel beizuwohnen. Die Ankeruhr „schlägt“. Und zu einer speziellen Musikbegleitung drehen zwölf (genau genommen 13) wichtige Persönlichkeiten der Wiener Geschichte eine Runde, auf der von Kammeruhrmacher Franz Morawetz 1911-1914 hergestellten Uhr in ihrem prachtvollen Jugendstil-Design von Franz Matsch.
Warum „Anker“? Die Versicherungsgesellschaft „Der Anker“ kaufte im Jahr 1868 das Areal und baute den Ankerhof. Über eine Brücke sind die Teile des Hauses im Bereich der Vorstandszimmer miteinander verbunden. Als besondere Attraktion wurde diese Uhr gebaut, die Musik vom Komponisten, Kirchenmusiker und Organisten Vinzenz Goller geschrieben und für einen Orgel-Automaten der Firma Rieger eingerichtet – parallel zur großen Orgel im Wiener Konzerthaus, das 1913 eröffnet wurde.
Wie so viele andere Bauwerke in Wien, wurde der Ankerhof und mit ihm die Ankeruhr im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde bei der Restaurierung auf den Orgelautomaten verzichtet. Ein „Tonband“ musste ausreichen. Aber wie war das mit der Musik? Der Organist Hans Haselböck spielte die Musik in der Kirche St. Ursula ein und überließ die Aufnahmen der Helvetia Versicherung, die mittlerweile Besitzerin des Ankerhofes geworden war.
Für den heurigen Herbst ist eine weitere bauliche Erneuerung geplant. Der prachtvolle Hof wird mit Glas überdacht und somit zu einem ganz neuen Veranstaltungsort. Beim Eröffnungsabend am 28. September 2022 erklingen unter dem Motto „Musik aus dem alten Wien“ u.a. die Musikstücke der Ankeruhr.
KONZERTPROGRAMM
Kaiser Marc Aurel und Kaiser Karl, der Große
Das Hildebrandlied (Satz: Hans Haselböck)
Unsar trohtin hat farsalt - Anonymus 9. Jhdt (Petruslied)
Estampie Reis glorios - Giraut de Bornelh (ca. 1165 - 1210)
Herzog Leopold VI. und seine Gemahlin Theodora/Walther von der Vogelweide
Das Nibelungenlied, um 1200 (Satz: Hans Haselböck)
Nun kius ich - Hawart (2.Hälfte 13. Jhdt.)
Tre Fontane - Anonymus 14. Jhdt. (London BL 29987)
König Rudolf von Habsburg/Meister Puchsbaum, Dombaumeister von St. Stephan
Chominciamento di gioia - Anonymus 14. Jhdt. (London BL 29987)
Per quela strada lactea - Johannes Ciconia (1335 – 1411)
Innsbruck, ich muss dich Lassen – Heinrich Isaac
Fortune - Anonymus Frankreich (Paris Bibl. nat.; ca.1380)
Ich bin by ir - Conrad Paumann (um 1440)
Kaiser Maximilian der letzte Ritter/Bürgermeister Johann Andreas von Liebenberg
O du lieber Augustin (Satz: Hans Haselböck)
Heinrich Ignaz Franz Biber: Sonata representativa für Violine und Orgel
Graf Rüdiger von Starhemberg/Prinz Eugen von Savoyen
Prinz Eugenius der edle Ritter (Volkslied um 1719, Satz: Hans Haselböck)
Kaiserin Maria Theresia, Kaiser Franz I. und Joseph Haydn
W. A: Mozart: Menuett, KV 335
Joseph Haydn: 5 Flötenuhrstücke.
Die Himmel rühmen (Satz: Hans Haselböck)
Ensemble:
Michael Posch, Blockflöte
Thomas Wimmer, Fidel
Ilia Korol, Violine
Martin Haselböck, Orgel und Moderation
© Christoph Wellner



