CD der Woche

Antonín Dvořák: String Quartets

20. Juni 2026, 07:35 Uhr

Interpreten: Merel Quartet

Label: Prospero

EAN: 4262353971000

Über Antonín Dvořáks Aufenthalt in den USA und die Musik, die er dort geschrieben hat, wurde in den vergangenen Jahren sehr vieles erforscht und festgehalten. Auch heute noch gehören die 9. Symphonie und das F-Dur Streichquartett Op. 96 zu seinen bekanntesten und meistgespielten Werken. Auch das Merel Quartet hat das sogenannte „Amerikanische“ als Hauptwerk seiner neuen CD gewählt, dem jedoch noch eine weitere Quartett-Preziose hinzugefügt. Michael Gmasz weiß mehr darüber.

Ganz einfach war es für Antonín Dvořák in den USA nicht. Er hat zwar seine Erfolge gefeiert und wurde hoch geschätzt, doch hat es ihn persönlich immer eher in Richtung Heimat gezogen. Zumindest ein kleines Stück Ersatzheimat hatte er im Sommer 1893 in Spillville in Iowa gefunden, einem kleinen Ort, der von vielen tschechischen Auswanderern bewohnt wurde. Bekannt ist die Beziehung Dvořáks zu Spillville vor allem auch deshalb, weil er hier in besagtem Sommer sein berühmtes Amerikanisches Streichquartett komponiert hat. Das interational besetzte, und in der Schweiz beheimatete Merel Quartet, stellt dieses Werk nun an den Beginn seiner neuen CD und nimmt uns ausgesprochen klangintensiv mit auf diese Reise ins ländliche Iowa des ausgehenden 19. Jahrhunderts. 

Wie die Achte Symphonie wohl motivisch spannender ist als ihre berühmte Schwester Nummer neun, so ist wohl auch das letzte Streichquartett Nr. 13 das musikalisch Wertvollere als die bekanntere Nr. 12. Lockere Leichtigkeit trifft auf geballte Intensität und das Merel Quartet gestaltet all das auf höchst elegante Weise. Vielschichtig im Klang, übereinstimmend in Sachen Artikulation und Dynamik. Da ist Zug drin, wo er hingehört und Entspannung dort, wo man sie haben möchte. Ein Werk, das viele Überraschungen bietet, die in dieser Aufnahme auch bestens herausgearbeitet sind. Herrlich schon alleine die ersten Takte des zweiten Satzes aus dem Streichquartett Nr. 13. Als Zugabe dienen ein kurzer Ausschnitt aus den Cypressen und sogar eine eigene Bearbeitung des Largo Satzes aus der 9. Symphonie. Hervorheben möchte ich aber vor allem auch den Klang der Aufnahme. Man scheint wirklich mittendrin zu sitzen, statt nur dabei - so wie ich das bei einer CD hören möchte. (mg)