CD der Woche

Apollo & Marsyas

10. Oktober 2026, 07:35 Uhr

Interpreten: Marsyas Baroque

Label: Genuin

EAN: 4260036259971

Nicht jede klein gegen große-Geschichte endet wie jene von David gegen Goliath. Es gibt unter den Kleinen, die „die Großen“ herausfordern, auch Verlierer bzw. solche, die den Kürzeren ziehen. In der Antike war das u.a. Marsyas, der sich mit dem großen Apoll messen wollte. Eine spannende Geschichte mit grausigem Ausgang, die es auf unserer CD der Woche musikalisch nachzuvollziehen gibt.

Der Satyr Marsyas findet einen Aulos, ein antikes Rohrblattinstrument, den die Göttin Athene weggeworfen hat, und entwickelt sich zu einem meisterhaften Musiker. Im Übermut fordert er schließlich Apollon, den Gott der Musik, zu einem musikalischen Wettstreit heraus. Marsyas verliert den Wettbewerb und muss für seine Hybris einen grausamen Preis bezahlen: Apollon lässt ihn an einen Baum binden und bei lebendigem Leib häuten. Aus den Tränen seiner Freunde und Gefährten entsteht ein Fluss, der fortan seinen Namen trägt. Soweit die Kurzfassung der Geschichte, um die sich das neue Album des nach dieser antiken Figur benannten Ensembles Marsyas Baroque dreht.

Das Ensemble erzählt auf seiner jüngsten CD den antiken Mythos als musikalisches Pasticcio in sechs Akten: Der Wettstreit zwischen Marsyas und Apollo wird dabei durch kurze, von Timur Işık gesprochene Texte nach Ovid dramaturgisch verbunden. Musikalisch spannt das Ensemble einen Bogen vom späten 16. bis ins 18. Jahrhundert, mit Werken von Dario Castello, Johann Joachim Quantz, Georg Philipp Telemann, Antonio Vivaldi, Carlo Gesualdo, Marin Marais, Johann Sebastian Bach und noch anderen mehr. Dazu tritt mit „Marsyas“ von Alessandra Bellino ein eigens für das Programm komponiertes zeitgenössisches Werk, das die Häutung des Marsyas ausgesprochen bildhaft in Szene setzt. Das ist eine erzählerisch konzipierte Barock-CD, in der der Mythos von Marsyas zum roten Faden für Musik aus rund drei Jahrhunderten wird. Meisterhaft gespielt von Paula Pinn, María Carrasco Gil, Konstanze Waidosch und Sara Johnson Huidobro. (mg)