CD der Woche

Arriaga: Complete String Quartets

30. Mai 2026, 07:35 Uhr

Interpreten: Cuarteto Quiroga

Label: Cobra Records

EAN: 8713897905403

Anfang des Jahres 2026 jährte sich der Todestag des spanischen Komponisten Juan Crisóstomo de Arriaga zum 200. Mal. Ein Jahrestag, der in unseren Breiten eher untergegangen ist, der jedoch das eine oder andere Ensemble dazu verleitet hat, sich auch auf CD mit seiner Musik zu beschäftigen. Ein wunderbares Beispiel sind die drei Streichquartette mit dem Cuarteto Quiroga, wie Michael Gmasz zu berichten weiß.

Seien Sie ehrlich, liebe Hörerinnen und Hörer, Sie haben sich sicher schon einmal gefragt, was denn bei W.A. Mozart noch alles möglich gewesen wäre, wenn er nicht mit 35 Jahren gestorben wäre. Oder bei Schubert, der mit 31 auch viel zu früh aus dem Leben geschieden ist. In diesem Zusammenhang ist die Frage, was hätte wohl Juan Crisóstomo de Arriaga noch alles geschrieben, wenn er nicht schon mit 19 Jahren einer schweren Tuberkulose erlegen wäre, durchaus erlaubt. Seine erste Oper mit 13, eine damals schon vielbeachtete Symphonie, Kantaten und weitere Vokalwerke und neben einem Oktett in der spannenden Besetzung 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass, Posaune, Gitarre und Klavier auch drei Streichquartette. Letztgenannte hat er im zarten Alter von 16 Jahren komponiert, wobei sie bereits eine ausgereifte künstlerische Persönlichkeit, außergewöhnliche Kreativität und vor allem musikalische Brillanz zeigen.

Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich das Cuarteto Quiroga mit den Streichquartetten de Arriagas. Seinen 200. Todestag am 17. Jänner des heurigen Jahres hat das Ensemble zum Anlass genommen, die Werke endlich auch aufzunehmen. Modernes Instrumentarium, bespannt mit Darmsaiten, um der klanglichen Transparenz des frühen 19. Jahrhunderts gerecht zu werden. Die drei Werke zeugen von einer Spritzigkeit und Lebendigkeit, verschmitztem Humor in den Menuetten und von einer musikalischen Tiefe, die gerade in punkto Streichquartett kaum ein anderer Komponist in so jungen Jahren geschaffen hat. Spanischen Folklorismus vermisst man ebenso, wie epigonenhaftes Nacheifern großer Vorgänger. Sein posthum verliehener Beiname „Spanischer Mozart“ ist daher wohl auch eher auf die Genialität des jungen Mannes zu beziehen als auf seine Musiksprache. Das Cuarteto Quiroga geht diesen drei Quartetten mit einer besonderen Leidenschaft und Spielfreude auf den Grund, die sich beim Abspielen der CD sofort auf die Zuhörenden übertragen. Ach, was wäre nicht alles noch gekommen, wenn nicht … (mg)