Rezensionen

Asmik Grigorian rockt die Bühne.

10. August 2025, 08:44 Uhr

Macbeth 2025: Vladislav Sulimsky (Macbeth), Asmik Grigorian (Lady Macbeth)
© SF/ Ruth Walz

Giuseppe Verdi macht aus William Shakespeares Tragödie „Macbeth“ ein Melodramma in vier Akten. Die Erfolgsproduktion aus dem Jahr 2023 hatte gestern Abend als willkommene Wiederaufnahme Premiere im Großen Festspielhaus. Musikchefin Ursula Magnes berichtet aus Salzburg.

Asmik Grigorian hat die Bühne wieder gerockt. Auf ihre Art und in der psychologisch hochgradig fesselnden Regie von Krzysztof Warlikowski. Asmik Grigorian modelliert die Partie der mörderischen Lady Macbeth aus ihrer Darstellungskraft heraus. Und setzt in den entscheidenden Momenten das stimmliche hinzu. Da ist eben nichts nebenbei vodergründig oder gar routiniert. Sie legt die fermentierte Opernrolle ab und spielt und singt die Schmerzen und den zunehmenden Wahnsinn einer Frau, die trotz künstlicher Befruchtung keine Kinder bekommen kann. Mit dieser Verwerfung kippt sie in die Zentrifuge des Machtrausches. Zierlich, leichtfüßig gekleidet im Outfit einer moderne Machthaberin.

Regisseur Krzystof Warlikowski gelingt es, die überbreite Bühne des Großen Festspielhauses für ein Spiel auf drei Ebenen zu nützen. Dank seiner kongenialen Partnerin. Małgorzata Szczęśniak setzt auf die Bühne eine überdimensionale Bank einer Wartehalle. Von links kommen die Hexen und Weissagungen und rechts passieren die Morde. Bis sich alles ins Zentrum schiebt. Aus der Unfruchtbarkeit entschlüpft der Fluch jegliche Bedrohung des Machterhalts aus dem Weg zu morden. Die packende Erzählung der Tragödie entsteht auch durch die Choreografie von Claude Bardouil. So greifen psychologische Charakterstudien und weiträumige poetische Tableaus ineinander. Die Videozuspielungen von Denis Guéguin und Kamil Polak kommen ohne sichtbare Livekameras aus, was einen zusätzlichen Sog erzeugt.

Musikalisch gesehen haben die Wiener Philharmoniker diese Partitur aus der Arbeit im Graben der Wiener Staatsoper sicher im Griff. Dirigent Philippe Jordan bringt alles auf ein Ganzes zusammen. Eine breite Übersicht ohne Zuspitzungen. Diese stecken ohnedies in der Musik Verdis. Und wenn der Wahnsinn der Lady Macbeth stimmlich aus dem vielgestaltigen Bühnengeschehen herausragt, sind das Momente, die unter die Haut fahren.

Vadislav Sulimsky als Macbeth und Tareq Nazmi als Banco erfüllen ihre Rollen ganz im Sinne der Regie. Ersterer wird den Konkurrenten auch über den Mord hinaus nicht los. Im Gegenteil. Viele kleine Bancos setzen sich an den Tisch der Macht. Die beiden Tenöre Charles Castronovo als Macduff und Davide Tuscano als Malcolm, Sohn des Königs Duncan, fügen sich ebenso ein. Ein Genuss liegt in der dynamisch fein nuancierten stimmlichen Präsenz der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor.

Bravos und Buhs lieferten sich im Premierenpublikum kurz ein Match. Die Freude über die Intensität dieser in sich erneut gewachsenen Festpielproduktion überwog. Innige Umarmungen auch auf der Bühne. Nach der Oper zeigte sich ein besonderer Zauber einer Salzburger Festspielnacht: Über der Festung Hohen Salzburg strahlte der Vollmond. (UM)