CD der Woche

Barbara Strozzi: A Portrait in Five Acts

13. Dezember 2025, 07:35 Uhr

Interpreten: Dorothee Mields, Hana Blažíková, Hathor Consort, Romina Lischka

Label: cpo

EAN: 761203551026

Während die Musikwelt mit Staunen nach und nach immer mehr Werke komponierender Frauen der letzten knapp 200 Jahre entdeckt, bleiben die Schöpfungen von Komponistinnen aus älterer Zeit meist noch in den Archiven verborgen. Bis auf wenige bekannte Beispiele, wie die acht Madrigalbücher der venezianischen Komponistin Barbara Strozzi. Romina Lischka und ihr Hathor Consort haben gemeinsam mit Dorothee Mields und Hana Blažíková eine berührende Auswahl getroffen und portraitieren Barbara Strozzi über ihre Musik in fünf Akten.

Sie ist in so vielen Dinge eine Ausnahmeerscheinung – die Komponistin Barbara Strozzi. Von den Besten ihrer Zeit, Cesti und Cavalli, unterwiesen, hat sie sich in ihrer Heimatstadt Venedig einen Status als Komponistin erarbeitet, wie es zu dieser Zeit, nämlich dem 17. Jahrhundert, nur ganz wenigen bzw. kaum einer anderen vergönnt war. Mit ihren acht Madrigalbüchern, in denen hauptsächlich die Liebe besungen wird, hat sie angeblich mehr komponiert als ihre männlichen Kollegen zur selben Zeit. Bei den Resonanzen 2026 wird man ein Barbara Strozzi im Konzert kennenlernen können, auf CD ist das schon jetzt möglich.

Gemeinsam mit Dorothee Mields und Hana Blažíková hat die Gambistin Romina Lischka eine Auswahl von 19 Duetten getroffen (mit einem instrumentalen Zwischenspiel von Bartolomeo de Selma y Salaverde!). Viele der Werke sind lyrisch, getragen, bieten zwischendurch aber auch virtuose Koloraturen und Melismen, was darauf hinweist, dass Barbara Strozzi selbst eine hervorragende Sängerin gewesen sein muss. Unterschiedliche, sehr persönliche, Stimmungen und Emotionen werden hier besungen, von zaghafter und geheimer Liebe über Tränen und neue Hoffnung bis hin zu den finalen und geliebten Küssen! Ausgesprochen intim klingt es, wenn Lischka mit ihrem Hathor Consort die wunderbar verschmelzenden Stimmen von Mields und Blažíková begleitet. Fast schon voyeuristisch, als ob man ungesehen dem Geplänkel zweier Verliebter bewohnt. Aber wie heißt es in einem der Madrigale auf einen Text von Giulio Strozzi, Barbaras Vater, so schön, „Godere, e tacere“ – Genießen und schweigen. (mg)