CD der Woche

Beethoven, Schubert, Kreisler

11. April 2026, 07:35 Uhr

Interpreten: Amadeus Trio

Label: Supreme Classics

EAN: 4028098000975

Immer wieder liest man in CD-Beiheften, und das noch immer, wie Musikerinnen und Musiker die Coronazeit um 2020 genutzt haben. Auftritte waren nicht möglich, also wurden Projekte geplant, Aufnahmen gestaltet und neue Formationen gegründet. So hat sich auch das Amadeus Trio im ersten Coronajahr zusammengefunden, keine Studenten oder Jungmusiker, sondern renommierte Solisten, reif an Jahren und Erfahrung. Zu hören ist das jetzt bei Supreme Classics.

Vielleicht ließe sich das Wienerische im Klang und der Interpretation so definieren, als würde man einen Gassenhauer pfeifend mit Franz Schubert auf ein Vierterl Brünnerstrassler zum Heurigen gehen und dort Fritz Kreisler beim Musizieren zuhören. Eine Sanftheit im Ton, ein gewisses Maß an Flexibilität im Metrum und ein klanglicher Charme und Witz spielen dabei eine große Rolle. Als versierter Musikliebhaber oder versierte Musikliebhaberin hört und spürt man auf jeden Fall schnell, ob die Musizierenden aus der Wiener Musiktradition stammen. So, wie sich es bei den Musikern des Amadeus Trios verhält. Geiger Wolfgang David, Cellist Wolfgang Panhofer und Pianist Bernhard Parz präsentieren auf ihrem Debüt bei Supreme Classics Beethovens Gassenhauer, Schuberts B-Dur Trio Nr. 1 und ergänzen mit zwei Werken von Fritz Kreisler.

Der Variationssatz aus Beethovens Op. 11 über „Pria ch’io l’impegno“, einem damaligen Gassenhauer aus Joseph Weigls Oper L’amor marinaro ossia il corsaro von 1797, ist ein wunderbares Beispiel für die verspielte Freude am Musizieren, die dem Wienerischen so eigen ist. Da werfen sich die Streicher ihre Motive zu, nehmen sie gelassen wieder auf, nur um gleich wieder ans Klavier zu übergeben. Eine gewisse Leichtigkeit umweht auch das große B-Dur Trio von Franz Schubert, auch in den ernsten Momenten. Da klingt nichts streng oder gar grob. Zum Weinen schön der zweite Satz, denn auch die Melancholie gehört den Wienern, wie sonst kaum wem. Und spritzig witzig dann die beiden Kreisler Stücke Marche miniature viennoise und Syncopation.

Ein Lob an dieser Stelle auch an das Aufnahmeteam um Thomas Egger und Benedikt David, die hier eine wunderbare klangliche Mischung aus direkter Abnahme und passendem Raumklang gefunden haben. Auch das ist eindeutig Wienerisch! (mg)