Rezensionen

Beethoven's Nightmare.

8. Januar 2020, 08:15 Uhr

Letztes Jahr feierte das Oslo Philharmonic Orchestra 100 Jahre seines Bestehens. Zusammen mit dem nahenden 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens dieses Jahr gab es ausreichend Grund zu feiern und den Ernst des Bonner Wieners ordentlich hochkochen zu lassen. Überschäumend mit den Meistern der Music Comedy Igudesman & Joo. Gestern gaben sie mit dem Oslo Philharmonic Orchestra die Vorpremiere der neuen Show Beethoven’s Nightmare. Es war alles andere als ein Alptraum. Musikchefin Ursula Magnes berichtet aus Oslo, wo die Tage kurz und eine neues Edvard Munch Museum samt Diskussionen darum lang sind.

Da staunten selbst Igudesman & Joo nicht schlecht: niemand im Publikum kannte Philip Glass! Die beiden zogen Beethovens Musik trotzdem genüsslich durch dessen Minimal Music-Kakao und legten gleich eine humorige Meditation über „Für Elise“ drauf – „For a lease“ war schon wieder etwas für feine Ohren und Sprachkundige, wie überhaupt das ganze Programm ein dezent zelebriertes Fest der Bildung feiert.

Wer die Original-Zitate Beethovens nicht kennt, hat wenig Chancen über die musikalischen Pointen herzhaft zu lachen: zum Beispiel, wenn die Fünfte auf Fünf gespielt wird oder Beethoven’s Nightmare mit Hilfe des von Corelius Obonya eingesprochenen Heiligenstädter Testaments gewaltig unter die Haut geht: nach dem Mondlicht „muss es sein“ – Aha! op. 135 für die Kundige. Ein Schmunzeln. Zwei echte Beethoven-Burner!

Zu Igudesman & Joo Höchstform laufen die beiden Musik wie Comedy Virtuosen auf, wenn die Fernbedienung für den Geiger außer Kontrolle gerät und „Joyful Variations“ den Abend im kraftvollen Orchestertutti beschließen. „A little bit hoven“: die Neunte in 9 Sekunden – es funktioniert. A Beethoven’s Nightmare – eine Show, die vermutlich erst nächstes Jahr nach Wien kommen wird. Von Oslo aus wird sie das Beethoven Jahr retten – ganz im Sinne von Igudesman & Joo! (um)

© Julia Wesely