Rezensionen
Boccaccio von Franz von Suppè
12. Juli 2026, 09:30 Uhr
Das Lehar-Festival Bad Ischl feiert heuer sein 65-jähriges Jubiläum. Intendant Thomas Enzinger stellt es ins Zeichen des Humanismus. Die Operette besitze die wunderbare Gabe, große Fragen des Menschseins mit Leichtigkeit zu beantworten, so Enzinger. Um das auszudrücken, wählte er Boccaccio.
Die Operette war Franz von Suppès erfolgreichstes Werk. Es wurde 1879 in Wien uraufgeführt. Das Libretto stammt vom Erfolgsduo Friedrich Zell und Richard Genée. Die ganze Geschichte ist etwas sperrig, und wohl deshalb wurde sie für Ischl von Jenny W. Gregor adaptiert. Sie spielt im Florenz des 14. Jahrhunderts. Möglicherweise war der 500. Todestag Boccaccios im Jahr 1875 Anlass für Suppè, sich mit dem Dichter auseinanderzusetzen. Dabei herausgekommen ist eine Geschichte, die nicht linear einen Erzählstrang mit einigen Nebensträngen verfolgt, sondern Dichtung und Wahrheit vermischt. Boccaccio sucht im Publikum zehn Personen, die je eine Geschichte erzählen möchten. Und die vermengen sich irgendwie miteinander. Es geht im Wesentlichen um das Liebesleben und die Treulosigkeit der Florentiner Damen. Wie man es aus Ischl gewöhnt ist, trägt zur Unterhaltung ein wunderbares Bühnenbild von Stefan Wiel bei, in diesem Fall gespeist aus Darstellungen Florentiner Damen aus der Zeit. Ebenso verhält es sich mit den farbenprächtigen Kostümen von Sven Bindseil. Hervorragend sind auch Ballett und die Choreographie von Lukas Ruzicka. Das Werk hat noch immer Längen, holt aber im zweiten Teil auf. Auch auf witzige Elemente, für die Intendant und Regisseur Thomas Enzinger bekannt ist, musste man nicht vergebens warten. Das Duo Hans Gröning und Gerd Vogel sorgen routiniert für Lacher.
Aus dem Ensemble besonders erwähnenswert sind die drei Florentiner Damen. Maria Ladurner, eigentlich Spezialistin für Alte Musik, bezaubert in der Rolle als charmante Fiametta stimmlich wie darstellerisch. Eine gehörige Portion Frivolität, Erotik und Ironie bringt Domenica Radlmaier als Isabella auf die Bühne. Und Miriam Portmann als Peronella ist nicht nur sehr präsent und sehr komisch. Selbstbewusst zeigt sie mit ihrem Bühnenpartner Leonetto alias Philip Paganini eine reife Frau mit einem jungen Liebhaber. Und so sind am Ende alle happy im Florenz des 14. Jahrhunderts in Bad Ischl.
Text: Bernadette Spitzer



