Rezensionen

Der Spieler in Salzburg.

13. August 2024, 08:09 Uhr

Der Spieler 2024: Sean Panikkar (Alexej Iwanowitsch, Hauslehrer der Kinder des Generals), Asmik Grigorian (Polina, Stieftochter des Generals), Violeta Urmana (Antonida Wassiljewna Tarassewitschewa, genannt Babulenka)
(c) SF/Ruth Walz

Kritik "Der Spieler"

Salzburg 12. August 2024

Gestern hat in Salzburg die zweite Vertonung eines Romans von Dostojewski stattgefunden. Sergej Prokofjews „Der Spieler“. Unser Opernexperte Richard Schmitz berichtet.

Die Salzburger Festspiele haben gestern mit der Premiere von „Der Spieler“ wieder der großen europäischen Kulturnation Russland gehuldigt. Es ist gut, dass man nicht nur Putins Ukrainekrieg vor Augen hat, sondern auch Kunst und Kultur, wenn von Russland geredet wird.

Der gestrige Abend war nicht ganz so überzeugend wie Weinbergs „Idiot“. Das mag an den Titelfiguren liegen. Neben dem naiven Gutmenschen und Epileptiker wirkt der Spieler viel einfacher. Alexej der Hauslehrer sieht die ganzen Lebenslüge der Generalsfamilie, begehrt dagegen auf und verliebt sich dann aber doch in Polina, die Stieftochter. Sie ist anfangs das oberflächliche reiche Girly, das sadistisches Vergnügen daran hat, den Hauslehrer zu demütigen. Erst als alles den Bach hinuntergegangen ist, entwickelt sie Emotionen für ihn. Aber da ist es schon zu spät. Große Hoffnungen auf ein großes Erbe setzen alle in die Großmutter. Doch die ist putzmunter und denkt gar nicht daran den General zum Erben einzusetzen. Gestern waren diese Rollen herausragend besetzt. Asmik Grigorian sang die Polina mit wunderschön geführter Stimme und zeichnete auch die Charakterfacetten deutlich nach. Sean Panikkar war ein selbstbewusster, manchmal etwas sehr lauter Alexej. Auch die angeblich so gebrechliche Großmutter hatte eine riesige Stimme, wenn Violeta Urmana das singt, muss man zur Überzeugung kommen, dass sie noch einige Jahrzehnte zu leben hat. Mit Peixin Chen singt ein echter Bass den allmählichen Zusammenbruch des Generals. Die übrigen Solistinnen und Solisten, der Wiener Staatsopernchor und die Wiener Philharmoniker gestalteten unter Timur Zangiev einen anregenden Abend. Sergej Prokofjews musikalische Vielfalt kam prächtig zur Geltung.

Inszeniert hat Peter Sellars. George Tsypin lässt die Felsenreitschule mitspielen und hängt riesige Kreisel auf, die von der Decke baumeln Die Casino Assoziation ist gegeben. Die Kostüme von Camille Assaf sind unserer Zeit gemäß. Peter Sellars arbeitet die Charaktere nicht nur der Protagonisten sondern auch der anderen Rollen genau heraus. Sellars spielt sich nicht in den Vordergrund. Dostojewski und Prokofjew hat er weder verbessert noch uminterpretiert. 

Das Publikum hielt die pausenlosen 2 ½ Stunden tapfer durch und applaudierte allen Beteiligten herzlich,

Wertnote: 8,4/10 Punkten.