CD der Woche
Die Freundt-Orgel von Stift Klosterneuburg.
31. August 2024, 07:25 Uhr
CD der Woche / KW 35 / 31. August 2024
Interpreten: Johannes Zeinler
Label: Gramola
EAN: 9003643993266
Ein Feund, ein guter Freund ist dem Kirchenmusiker eine gute Orgel. Eine solche befindet sich in der Stiftskirche in Klosterneuburg. Es handelt sich um die Festorgel von Johann Freundt aus dem Jahr 1642. Stiftsorganist Johannes Zeinler hat eine wunderbare Portrait-CD aufgenommen. Bei der auch radio klassik Stephansdom Cheftechniker und Orgelexperte Martin Macheiner als Tontechniker seine wie gewohnt exzellente Arbeit geleistet hat. Musikchefin Ursula Magnes genießt darüber hinaus die abgemildert mitteltönige Stimmung. Eine Wohltat für die Ohren.
Stiftsorganist Johannes Zeinler hatte zweifelsohne die Qual der Wahl bei der Überlegung, was seine Freundt-Orgel am besten zur Geltung bringt. Er hat eine wunderbare Auswahl getroffen mit Musik, die rund ein halbes Jahrtausend umspannt. Schon die eröffnendne Toccata Septima von Georg Muffat bringt die Klangvielfalt der Freundt-Orgel zum Strahlen. 1690, da war Johann Sebastian 5 Jahre und Paul Hofhaimer schon lange tot. Sein fünfsätziges „Salve Regina“ entführt in die Renaissance, bevor die Elevation-Toccata von Johann Jakob Froberger zeigt, dass es im Vergleich zu Muffat auch strenger geht. Die liturgische Funktion gebietet wenn schon, dann harmonische Eskapaden. Die Passacaglia von Johann Caspar Kerl und das Andante in F-Dur „für eine Walze in eine kleine Orgel“ KV 616 von Wolfgang Amadé Mozart ergänzen sich wunderbar, im Sinne leicht verdaulicher Gebrauchsmusik.
Johannes Zeinler würdigt auch einen seiner Lehrer: Pier Damiano Peretti wählte für seine Komposition eine Stelle aus Jesus Sirach 39/19: „Blüht, ihr Blumen, wie die Lilie strömt Luft aus und grünt voll Anmut. Singt miteinander ein Loblied…“ Auch diese Komposition zeigt die gesamte Klangfülle und -stärke der Freundt-Orgel.
Nach einer Toccata vom römischen Meister Girolamo Frescobaldi und einen Vers auf das Magnificat von dessen norddeutschen Zeitgenossen Heinrich Scheidemann, setzt die „Fuga sopra il Magnificat“ BWV 733 von Johann Sebastian Bach den Schlusspunkt.
Die genauen Angaben zur Disposition der Orgel sowie über die Registrierung der einzelnen Stücke erfreuen mit Sicherheit auch den Orgelfreak. Und derer gibt es unter den Hörerinnen und Hörern von radio klassik Stephansdom zur redaktionellen Freude sehr viele. (um)
TIPP: Orgel City Vienna
© Ursula Magnes



