Rezensionen
Die Serenissima lässt aufhorchen.
23. September 2024, 08:49 Uhr
Seit nicht weniger als 15 Jahren kümmert sich Palazzetto Bru Zane um die Erforschung und Aufführung französischer Musik der Romantik. Ermöglicht durch eine wohldotierte Stiftung von Frau Dr. Nicole Bru. Das diesjährige Herbstfestival ist erstmals einem einzelnen Instrument gewidmet. Musikchefin Ursula Magnes berichtet über zwei außergewöhnliche Celloabende in Venedig.
Es besteht nach diesen zwei Konzerten kein Zweifel. Das Violoncello ist die Seele der Romantik und es ist wert, besondere Besetzungen mit dem Cello aufs Podium zu holen. Zum einen brachte das Festival das Streichquintett mit zwei Celli und zum anderen das Celloquartett und Celloduo.
Das französische Quatuor Cambini-Paris hat sich mit Marion Martineau verstärkt. Wer das Schubert-Quintett im Ohr hat, weiß die Vielfalt eines fünfstimmigen Werkes zu schätzen. Es gab Musik arrivierte Cellisten ihrer Zeit: Charles-Nicolas Baudiot machte sich auch im pädagogischen Bereich sehr verdient. Sein Quintett ist ein Beweis großer Individualität zwischen Beethovens Humor, Belcanto und eine herrlich eklektische Reminiszenz an das Consort-Spiel.
Auguste Franchomme war der bevorzugte Cellist von Frédéric Chopin. Seine Romance für Solocello und Streichquartett lässt der Melancholie freien Lauf über das Griffbrett. Baritonal und ebenso satt im Ton. Ein Gustostückerl!
Die Anerkennung für den Komponisten und veritablen Cellisten Théodore Gouvy wurde zwischen dem deutsch-französischem Krieg zerrieben. Keine Seite war die seine. Und so dauerte es lange, bis man sein Werk wiederentdeckte. Sein Streichquintett Nr. 1 in e-Moll ist ein groß angelegtes fünfsätziges Werk, das an alle möglichen Einflüsse touchiert. Die Musikerinnen und Musiker schafften den geforderten Spannungsboden.
Die so besondere Atmosphäre in der Scuola San Giovanni Evangelista machte den Abend zu einem echten Erlebnis. Wieder entdeckte Musik aus Frankreich, so frisch als wäre sie aus der Zeit gefallen.
Andere Kost gab es im Konzertsaal des kleinen Palazzetto Bru Zane. Zwei Lehrer und ihre beiden Schüler bildeten ein famoses Celloquartett. Anne Gastinel und ihre Studentin Lila Beauchard, Xavier Phillips und sein Student Leonardo Capezzali ließen die Saiten nur so rauschen. Was die Originalität betrifft, hatte der Cellist Jacques Offenbach die Nase vorn. Seine methodischen Duette und sein Quartett bringen Virtuosität und melodischen Zauber unter einen Hut. Die Entdeckung des Nachmittags war die Suite sylvestre für vier Celli der französischen Komponistin Frédérique de Faye-Jozin.
Es ist wirklich schwer einzusehen, warum landauf landab die gleichen Stücke gespielt werden. Palazzetto Bru Zane zeigt einmal mehr in Venedig wie schön es sein kann, französischer Romantik zuzuhören. (um)



