CD der Woche

Dora Pejačević: Complete Symphonic Works

14. März 2026, 07:35 Uhr

Interpret: Annika Schlicht, Martina Filjak, Staatskapelle Weimar, Ivan Repušić

Label: audite

EAN: 4022143234490

Am Ende dieser CD des Tages Woche, in der wir Ihnen ausschließlich Musik von Komponistinnen präsentiert haben, steht natürlich auch eine weibliche CD der Woche. Michael Gmasz ist die Wahl schwer gefallen, aber schlussendlich ist es doch die neue Doppel CD mit Werken von Dora Pejačević geworden.

Geboren in Budapest, aufgewachsen auf dem Familienschloss in Slawonien, Studien und Lebensmittelpunkte in Dresden und München – eine Europäerin im wahrsten Sinne des Wortes war Dora Pejačević. Sie gilt als die erste Frau, die in Kroatien Orchesterwerke geschrieben hat und wird als Begründerin einer eigenständigen kroatischen Musiksprache angesehen. Und sie pflegte Freundschaften und Kontakte zu bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern ihrer Zeit wie der Pianistin Alice Ripper oder den Literaten Karl Kraus und Rainer Maria Rilke. U.a. mit Liedvertonungen von Texten Letztgenannter, mit großer Stimme von Annika Schlicht gesungen, kann man ihren spätromantischen, typischen Fin de siècle Stil nun auf einer Doppel CD, die bei audite erschienen ist, intensiv genießen.

Ivan Repušić, der kroatische Chefdirigent der Staatskapelle Weimar, hat mit seinem Orchester sämtliche symphonischen Werke Pejačević' aufgenommen und zeigt nun erstmals das orchestrale Gesamtwerk aus einem Guss. Die fis-Moll Symphonie bietet alles, was man sich von einem symphonischen Werk des frühen 20.Jahrhunderts erwartet. Von spritziger Leichtigkeit im Scherzo über melancholische Linien im Andante bis hin zum dramatischen Gestus in den Ecksätzen. Auch das g-Moll Klavierkonzert würde sich regelmäßige Aufführungen im Konzertsaal verdienen, wird hier von Martina Filjak klangintensiv und mit der nötigen Zeit interpretiert. Ihr gehört auch ein weiterer Höhepunkt dieses Albums, mit der Konzertphantasie Op.48.

Diese Doppel CD ist ein weiterer Beweis dafür, dass es noch ordentlichen Aufholbedarf gibt, was die Sichtbar- aber vor allem Hörbarkeit von Komponistinnen und ihrer Musik betrifft. Und auch dafür, dass es mittlerweile immer mehr Entdecker und Mitstreiter auf diesem Gebiet gibt! (mg)