Rezensionen
Ein neuer Zarewitsch
14. April 2026, 08:20 Uhr
Unser Opernexperte Richard Schmitz berichtet von der Volksopern-Premiere von Franz Lehárs Operette Der Zarewitsch:
Der Zarewitsch zählt zweifellos zu den großen Werken Lehárs, wenn auch nicht zu den genial herausragenden. Die Operette enthält unvergängliche Schlager und eine durchgängige slawische Färbung. Lediglich der letzte Akt bringt auch italienisches Brio. Die an und für sich einfache Handlung - Ein Kronprinz muss seiner großen Liebe entsagen und wird Zar – wird von Steef de Jong noch weiter vereinfacht und zu einer Gutenachtgeschichte. Der Regisseur hat dazu eine leere Bühne und Kostüme ohne Handlungsbezug gewählt. Das Geschehen wird in Zeichnungen auf eine riesige Leinwand projiziert. Die Sänger können sich voll auf den Gesang konzentrieren, und das tun sie gekonnt. David Kerber singt einen lyrischen Zarewitsch ohne dramatische Ausbrüche. Hedwig Ritter ist der schwule Geliebte Katuschukoff, sie kann daher keinen weiblichen Charme entwickeln. Martin Enenkel und Juliette Khalil spielen als Dienerpaar Iwan und Mascha nur eine untergeordnete Rolle. Sie erfüllen ihre gesanglichen Aufgaben mit Anstand. Auch Alfred Eschwé wirkt seltsam gehemmt. Seine Operettenroutine kommt kaum zum Tragen.
Durch die Übertragung der Handlung auf gezeichnete Figuren entsteht eine kühle Distanz, die ein Mitfühlen und Mitdenken unmöglich macht, auch wenn die Zeichnungen gut gemacht und manchmal sogar erheiternd waren. Es war eine konzertante Aufführung mit Bildern. Auch die zweite Idee, den Zarewitsch und Sonja als schwules Paar Aljoscha und Katuschukoff zu sehen, bringt wenig Dramatik ins Geschehen. Da wäre mehr drinnen gewesen, eine Hosenrolle als Angelpunkt des Ablaufs, das könnte interessant sein. Das ganze dann aber als Zeichnung, schafft eine unnötige Distanz. Es war alles nett und gefällig, das übertriebene Lehar-Schmalz hatte keine Chance, immerhin !
So ist trotz der ansprechenden Gesangsleistungen eine spannungslose Aufführung entstanden, die keine wirklichen Jubelstürme ausgelöst hat. Wertnote: 7,2



