Rezensionen
Eine Nacht in Venedig
27. Oktober 2025, 08:25 Uhr
Am 200. Geburtstag des Walzerkönigs brachte die Wiener Volksoper „Eine Nacht in Venedig“ heraus. Unser Opernexperte Richard Schmitz war dabei:
„Eine Nacht in Venedig“ ist eines der Meisterwerke von Johann Strauss, nicht nur voll Walzerseligkeit, sondern auch voll der Ironie und Witzigkeit, wie es dieser spritzigen Verwechslungskomödie zusteht. Der Abend beginnt verheißungsvoll, weil man die geniale Ouvertüre vor geschlossenen Vorhang genießen konnte. Das Volksopernorchester präsentierte sich unter Alexander Joel in Hochform; da stimmte Tempo und auch die kleinen Rubati. Wienerisch musiziert eben. Begeisterter Applaus belohnte diese Leistung.
Auch das Auftrittscouplet des Pappacoda, das Jakob Semotan pointiert vortrug wurde beklatscht. Ich bereitete mich auf einen langen Abend vor, wenn alle Nummern Szenenapplaus hervorrufen. Leider ging diese Begeisterung bald verloren, weil die Regie auf sorgfältige Personenführung verzichtete, obwohl die Grundidee der Regisseurin Nina Spijkers, dass die Männer die Dummen sind, durchaus etwas für sich hat. Feinere Ironie würde die Männer allerdings viel mehr bloßstellen. Die Neufassung der Dialoge ist allzu plump und wird dadurch unglaubwürdig. Im venezianischen Karneval verkleiden sich alle in bekannte Figuren der Comicserien, Spiderman und Konsorten. Auch die verschiedenen Barbaras haben sich im Superman-Stil verkleidet. Der Herzog von Urbino, Lucian Krasznec leidet an seinem Ruf als Schwerenöter, ist allerdings gehemmt und fürchtet sich vor Frauen. Marco di Sapia muss als gehörnter Senator Delacqua über die Bühne hetzen, Ulrike Steinsky darf als seine Gattin Barbara das Schwippslied nach der Annenpolka singen, allerdings schon eher im Vollrausch. Ursula Pfizner ist eine weibliche Senatorin, allerdings verheiratet; das macht das Quartett der sexhungrigen Senatorsgattinnen vollständig, die bei diesem verhemmten Herzog natürlich nicht auf ihre Rechnung kommen. Juliette Khalil und Johanna Arrouas können sich als Ciboletta und Annina noch am besten entwickeln. Auch David Kerber bleibt trotz tadellos gesungener Schlager als Caramello blass, obwohl er im Finale den allseits begehrten Verwalterposten erhält, allerdings nur weil seine Freundin Annina verzichtet.
Die Frauen erringen im Finale alle Macht. So endet die Operette mit einem Triumph der weiblichen Seite. Zum Jubel des Publikums. Die subtile Zeichnung der Figuren, wie sie Johann Strauss, Richard Genee und Zell vorgeschwebt hat, ist diesmal nicht zu sehen.
Wertnote: 6,9



