CD der Woche

French Trios

7. November 2026, 07:35 Uhr

Interpreten: Anneleen Lenaerts, Adam Walker, Timothy Ridout

Label: Warner Classics

EAN: 1200214336233

Drei Instrumente, drei unverwechselbare Klangfarben und eine beinahe schwerelose Verbindung: Auf ihrem neuen Album „French Trios“ erkundet die Harfenistin Anneleen Lenaerts gemeinsam mit dem Flötisten Adam Walker und dem Bratschisten Timothy Ridout eine der reizvollsten Besetzungen der französischen Kammermusik. Michael Gmasz hat wieder einmal genauer hingehört.

Im Mittelpunkt der CD French Trios steht Claude Debussys Sonate für Flöte, Viola und Harfe aus dem Jahr 1915, das Referenzwerk für diese ungewöhnliche Instrumenten-Kombination. Debussy fand hier eine Klangsprache, in der sich die Instrumente wunderbar ergänzen. Die Flöte bringt Helligkeit, Beweglichkeit und bisweilen etwas Schwebendes ein, die Bratsche sorgt mit ihrem warmen, dunkleren Ton für Tiefe, während die Harfe das harmonische Fundament legt und zugleich funkelnde Akzente setzt. Anneleen Lenaerts, Adam Walker und Timothy Ridout musizieren mit großer Eleganz und ausgeprägtem Gespür für feinste Abstufungen. Nichts wirkt überzeichnet, vieles bleibt bewusst in der Schwebe. Dabei begegnen einander drei eigenständige Solostimmen, die sich immer wieder zu einem einzigen, wandlungsfähigen Klang verbinden. Gerade diese Balance aus Transparenz und Verschmelzung macht den besonderen Reiz der Aufnahme aus.

Spannend ist vor allem auch das Nebeneinander von Originalwerken und Arrangements. Debussys berühmtes „Prélude à l’après-midi d’un faune“ erklingt in einer neuen Bearbeitung von Wouter Lenaerts. Die vertrauten Farben des Orchesterwerks werden dabei nicht einfach verkleinert, sondern neu verteilt: Die Flöte bewahrt ihren verführerischen Charakter, die Bratsche übernimmt warme Mittelstimmen, und die Harfe lässt die Musik flirren. Maurice Ravels ursprünglich für Flöte, Violoncello und Harfe komponierte „Sonatine en trio“ erhält durch die Bratsche eine weichere, zugleich etwas geheimnisvollere Färbung. Hinzu kommen märchenhafte Ausschnitte aus „Ma mère l’Oye“ sowie Miniaturen von Louis Vierne, Jacques Ibert und Joseph Jongen. Die Bearbeitungen wirken nie wie ein Ersatz für das Original. Vielmehr öffnen sie neue Perspektiven und zeigen, wie erstaunlich vielfältig diese seltene Besetzung klingen kann. So wird French Trios zu einer poetischen Entdeckungsreise voller Eleganz, Farbenreichtum und leiser Überraschungen. (mg)