CD des Tages
Fusion Chamber Music.
2. Februar 2026, 00:00 Uhr
Johanna Gossner (Klarinette, Arrangements), Marilies Guschlbauer (Cello) und Isabel Goller (Harfe) liefern ein wahres Feuerwerk an Virtuosität und Spielfreude ab. re:colored, das Debüt von Trianima, ist nach Eigendefinition eine „klangliche Reflexion über Farbe, Emotion und Kontrast zwischen Klassik, Jazz und Moderne“. Und das merkt man mit dem ersten Hören: Hier ist etwas entstanden, das so nur in genau dieser Konstellation möglich war.
Schon die Entstehungsgeschichte wirkt wie ein kleines Präludium zur Ästhetik der CD: Ein Anruf, ein Kaffee, ein Funke – und plötzlich war klar, dass hier drei Persönlichkeiten ein Ensemble bilden würden, das sich nicht in gängigen Kategorien erschöpft. Die gemeinsame Ausrichtung auf ein freischaffendes, energiegeladenes Arbeiten zieht sich durch das gesamte Projekt. Man hört es in jeder Phrase. Dass Trianima den Untertitel „Fusion Chamber Music“ gewählt hat, ist kein PR-Kunstgriff, sondern eine ehrliche Beschreibung. re:colored mischt Genres, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt: Filmmusik neben Beethoven, Pop neben Shostakovich, Minimal Music neben zeitgenössischen Auftragswerken. Was auf dem Papier riskant wirkt, klingt hier erstaunlich organisch – vielleicht, weil Klarinettistin Johanna Gossner ihre Arrangements nicht einfach über bestehende Werke stülpt, sondern sie für die drei Instrumente maßschneidert: Detailverliebt, mit Blick auf die individuellen Stärken und auf die Grenzen, die die Instrumente naturgemäß mitbringen.
Ein Beispiel dafür ist „Ludwig in Havanna“ – eine dieser Ideen, bei denen man zunächst nicht sicher ist, ob sie genial oder waghalsig sind. Beethoven trifft Camila Cabello. Im Arrangement wird daraus ein überraschend schlüssiges Klangbild, das den Humor des Trios ebenso spürbar macht wie seine Musikalität. Man nimmt den drei Musikerinnen ab, dass sie Lust an solchen Grenzgängen haben.
Das Album hat seinen Namen von einer Auftragskomposition von Fabio Devigili erhalten: „re:colored“: Eine klar strukturierte, beinahe minimalistische Nummer, die genau jene zusätzliche Farbe beisteuert, die (laut Harfenistin Isabelle Goller) noch gefehlt hat. Dass die Arbeit daran nicht nur kompositorisch, sondern auch instrumental herausfordernd war, merkt man dem Stück nicht an – es wirkt leicht, aber niemals leichtfertig. Ganz anders klingt Gilad Cohens „Trio for Spry Clarinet, Weeping Cello and Ruminating Harp“: Die ironischen Charakterstudien der Instrumente – die agile Klarinette, das klagende Cello, die murmelnde Harfe – sind im Spiel der drei Musikerinnen so treffend umgesetzt, dass man fast meint, die Rollen hätten auf sie gewartet. Mit unbändiger Virtuosität und unfassbarem Spielwitz präsentieren die drei Musikerinnen den „Mountain King“ – man staunt, wer sich musikalisch in Edvard Griegs „Halle des Bergkönigs“ aus der „Peer Gynt Suite“ herumtreibt!
Und dann gibt es noch jene Momente, in denen Trianima ganz bewusst Tempo herausnimmt. Etwa in der Fantasie über „La La Land“ von Justin Hurwitz oder in Eric Whitacres „Goodnight Moon“. Diese ruhigen Nummern sind keine Zugeständnisse an Sentimentalität, sondern sorgfältig gesetzte Atempausen. Sie zeigen, dass dieses Trio nicht nur kraftvoll, sondern auch kontrolliert gestalten kann. Und mit dem letzten Track auf der CD zeigen Johanna Gossner, Marilies Guschlbauer und Isabel Goller noch beeindruckend, wie man Kitsch mit Kunst bzw. Schmäh mit Schönheit verbinden kann: Unter dem erfundenen Titel „Weihnachtsstern“ findet sich das Thema des langsamen Satzes aus Dvoraks „Neuer Welt“. Man meint, dieses „Weihnachtslied“ hätte es immer schon so gegeben…
CD-TIPP
re:colored
Interpreten – Trianima
Label – ARS Produktion
EAN – 4260052386972
Text: Christoph Wellner



