Rezensionen

Genuss auf Schloss Ambras.

30. August 2024, 11:00 Uhr

(c) Andreas Pichler

Allerorten gehen in Österreich allmählich die Sommerfestivals zu Ende. So auch in Innsbruck, wo heute das Finale des 15. Cesti-Wettbewerbs über die Bühne geht. Der mittlerweile sehr renommierte Gesangswettbewerb ist eine Kaderschmiede für Gesang im Umfeld der Alten, besonders der barocken Musik geworden. Musikchefin Ursula Magnes wird im Großen Saal des Haus der Musik für radio Klassik Stephansdom den Medienpreis übergeben. Gestern Abend erlebte sie auf Schloss Ambras eine Sternstunde der barocken Kammermusik!

Zugegeben, ich war etwas skeptisch. Einen ganzen Abend mit Violine und Cembalo zuzubringen? Gleich vorweg: ich wurde so dermaßen eines Besseren belehrt! Im wunderschönen Ambiente des Spanischen Saales auf Schloss Ambras musizierten zwei Musiker, denen ich noch weitere Stunden mit Freude zugehört hätte.

Ottavio Dantone ist seit letztem Herbst der neue Intendant der Festwochen der Alten Musik in Innsbruck. Wir kennen ihn vor allem mit seinem Orchester Accademia Bizantina. Welch famoser Cembalist er ist, konnte er gestern seinem begeisterten Publikum zeigen. Er musizierte mit seinem Weggefährten; mit dem Geiger Alessandro Tampieri. Dieser wechselte mühelos zwischen Geige, Bratsche und Viola d’Amore.

Das Programm umspannte ein bisschen mehr als 150 Jahre, von einer frühbarocken Toccata von Girolamo Frescobaldi, über Sonaten von Domenico Scarlatti bis hin zum super-spätbarocken, galanten Johann Gottlaub Graun, der beiden Musikern sehr viel Virtuosität abverlangte. Zeitverloren auch der Einschub einer Sonate für Viola d‘Amore von Attilio Ariosti zwischen CPEBach und Johann Sebastian Bach – eine musikalische Entdeckung! Als lauschte man zwischen den "Bächen" einer Passage aus der Johannes-Passion von Vater Bach, „Betrachte mein Seel“ etwa.

Das ihre tut natürlich die Atmosphäre im Spanischen Saal zum Empfinden der Musik. Sie beflügelt das geschichtliche Bewusstsein in allen Künsten - umgeben von Vorfahren des Ferdinand des II. - Renaissance eben.

Auch ein heftiges Gewitter konnte der Musizierlust der beiden nicht Einhalt gebieten. Auch nicht der kurzzeitige Ausfall eines Kiels des Cembalos. Ottavio Dantone hat das Gebrechen spontan repariert und dann weitergespielt. Als müsste er einem alten Fiat Doppolino auf dem Brenner Pass den in die Jahre gekommenen Reifen wechseln. Musiker, Intendant und Mechaniker in einem. Einfach Genial! (um)