CD der Woche

Giaches de Wert: Nono Libro de Madrigali

6. Juni 2026, 07:35 Uhr

Interpreten: La Compagnia del Madrigale

Label: Glossa

EAN: 3149020957844

Mit unserer CD der Woche begeben wir uns diesmal in die alte Zeit. 1588 hat Giaches de Wert sein neuntes Madrigalbuch verfasst, in dem er Texte von Petrarca, Tasso, Guarini und Ferrante Gonzaga vertont hat. Klage und Melancholie, aber auch Freude und Liebe sind dabei auf höchst qualitätvolle Weise vertont und ausgedrückt.

Langjährige Hörerinnen und Hörer unserer CD der Woche wissen mittlerweile um meine große Leidenschaft für die vokale Mehrstimmigkeit der Renaissancezeit Bescheid. So kann ich auch an dieser neuen CD der Compagnia del Madrigale, eines solistisch besetzten italienischen Vokalensembles nicht vorbei, auf dem es mit 14 Einzelstücken das neunte Madrigalbuch des franko-flämischen Meisters Giaches de Wert zu hören gibt. Schon als Kind ist er nach Italien gekommen, wo er vor allem als Kapellmeister der Familie Gonzaga am Herzogshof in Mantua tätig gewesen ist. In jene Zeit fällt auch die Entstehung seines neunten Madrigalbuches von 1588.

Die Sängerinnen und Sänger haben sich im vergangenen Jahr in die Kapelle der Confraternita die Santi Rocco e Sebastian im Piemont zurückgezogen und die Akustik des kleinen Kirchenraumes wunderbar ausgenutzt. Nicht zu überakustisch, sondern genau richtig, um die Stimmen ineinander klingen und gleiten zu lassen. Eindrucksvoll gelingen so die höchst emotionalen und klagenden Vertonungen der Texte von Petrarca, wie Mia benigna fortuna, Padre de Ciel oder Valle che de‘ lamenti miei se‘ piena. Aber bei Giaches de Wert wird im neunten Madrigalbuch nicht nur gebetet, geweint und geklagt, sondern auch geliebt und gefeiert. Die Mitglieder von La Compagnia del Madrigale treffen im wahrsten Sinne des Wortes immer den richtigen Ton, wobei ich mich dabei auf ihre Interpretation beziehe und weniger auf reine Intonation, die auf diesem Niveau ohnehin vorauszusetzen ist. Strahlend feierlich wie in Or si rallegri il Cielo oder gedämpft und trauernd wie in den angesprochenen Petrarca Vertonungen. Das ist Musik in einer gesungenen Qualität, die sich für mich nicht abhört und die selbst bei mehrmaligem Hören noch Neues bietet und Freude bereitet. (mg)