Rezensionen
Großer Jubel für "Drei Schwestern" von Peter Eötvös.
11. August 2025, 09:58 Uhr
Großer Jubel gestern in der Felsenreitschule für "Drei Schwestern" von Peter Eötvös.
Die Oper stellt die Handlung des Schauspiels „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow aus der Perspektive der handelnden Figuren dar. Zuerst aus Sicht der jüngsten, Irina, der der Zukünftige in einem Duell getötet wird. Dann aus Sicht des Bruders Andrej, dessen akademische Karriere nicht zustande kommt und der alles verspielt. Zum Schluss wird auch das Schicksal von deren Schwester Mascha gezeigt, die ist unglücklich mit ihrem ambitionslosen Mann, bandelt mit dem verheirateten Offizier Werschinin an, der aber zu seiner labilen Frau zurückkehrt. Es gibt keine Änderung der Situation, alle sind nicht in der Lage Entschlüsse zu fassen und die Tristesse zu beenden. Die Regie von Evgeny Titov hält sich an den Komponisten Peter Eötvös und an den Librettisten Claus H. Henneberg und besetzt die weiblichen Rollen mit Countertenören.
Peter Eötvös wollte vermeiden, dass Tschechow sentimental, resignativ über die Rampe kommt. Leider gerät der melodramatische Schluss trotz des guten Vorsatzes sehr schmalzig. Dennis Orellana als Irina, Cameron Shahbazi als Mascha und Aryeh Nussbaum Cohen als Olga setzen ihre Counterstimmen gekonnt ein. Das ist imponierend, macht aber nicht vergessen, dass in den hohen Lagen das Brustregister fehlt. Die weibliche Besetzung 2016 an der Wiener Staatsoper (Margarita Gritskova, Ilseyar Khayrullova und Aida Garifulina) hat mich da mehr überzeugt. Jacques Imbrailo ist Bruder Andrej, der gescheiterte Akademiker; Kangmin Justin Kim seine dominierende Frau Natascha. Jörg Schneider arbeitet die grotesken Seiten des versoffenen Arztes gekonnt heraus. Andrey Valentiy erschüttert als ungeliebter Ehemann Maschas. Aleksander Teliga singt die Amme Anfisa, die schon dreißig Jahre der Familie dient.
Dass Ammen große Brüste haben wissen die Opernbesucher, das muss man nicht so deutlich zeigen. Diese Überdeutlichkeit zeigt sich auch im Bühnenbild von Rufus Didwiszus. Ein verfallener Bahndamm ist eigentlich kein Zuhause für antriebslose, fadisierte junge Leute, die nicht die Energie aufbringen, nach Moskau zurückzukehren. Auch die übrigen Solistinnen und Solisten sind mit Einsatz bei der Sache. Das Klangforum Wien im Graben und das größere auf der Bühne werden von den Dirigenten Maxime Pascal und Alphonse Cemin allzu bedächtig durch den Abend geführt. Der gestrige Abend war festspielwürdig. Trotzdem habe ich die Wiener Aufführung stringenter und humorvoller in Erinnerung.
Wertnote: 8,5 von 10 Punkten



