CD der Woche
Haydn: Die sieben letzten Worte
4. April 2026, 07:35 Uhr
Interpreten: RIAS Kammerchor Berlin, Konzerthausorchester Berlin, Justin Doyle
Label: harmonia mundi
EAN: 3149020956427
Bei harmonia mundi sind in diesem Jahr besonders viele herausragende Aufnahmen mit Passionsmusiken erschienen. Neben der Johannes Passion mit Raphael Pichon, die wir am Karfreitag ganz gespielt haben, zeigt sich Michael Gmasz vor allem von der Textfassung der sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze von Joseph Haydn begeistert.
Was muss Joseph Haydn gefühlt haben, als er 1794 in Passau auf der Durchreise seine sieben letzten Worte in einer Oratorienfassung des dort tätigen Kapellmeister Joseph Friebert gehört hat? Das wissen wir nicht genau, aber was er sich gedacht hat, können wir erahnen – nämlich dass er das besser kann. Haydn besorgte sich eine Abschrift der Friebert’schen Version, beauftragte Gottfried van Swieten mit der Überarbeitung der Texte und brachte schlussendlich seine Oratorienfassung 1796, zehn Jahre nach der Entstehung des Orchesteroriginals, in Wien zur Uraufführung. In dieser Fassung liegt mit dem RIAS Kammerchor Berlin und dem Berliner Konzerthausorchester sowie einem erlesenen Solistinnen- und Solisten Quartett nun eine wunderbare neue Aufnahme vor.
Klanglich ausgewogen, textverständlich und von wunderbaren Solistinnen und Solisten wiedergegeben. Kateryna Kasper, Katie Bray, Robert Murray und Hanno Müller-Brachmann wechseln sich abschnittsweise mit den Sängerinnen und Sängern des RIAS Kammerchores Berlin ab. Mehr im Sinne von primi inter pares als hervorgehobenes Solistenquartett. Der Text verleiht diesem doch sehr bekannten Instrumentalstück eine ganz neue Dimension und Dramatik und spendet auch Trost, wo wir ihn vielleicht nicht erwarten. „Gib uns auch zur letzten Stunde jenen Trost aus deinem Munde: Heut wirst du bei mir im Paradies sein!“ Jedem Einzelsatz hat Haydn das jeweilige Wort im Chorsatz vorangestellt. Und ebenso noch nicht vorhanden war ein kurzes Instrumentalintermezzo, das Joseph Haydn für diese Fassung neu komponiert hat und das, laut Zeitgenossen, „unter das Vollendetste (gehört), was Haydn je geschaffen hat“. (mg)



