CD der Woche

Haydn und die Sauschneider

1. August 2026, 07:35 Uhr

Interpreten: Michael Hell, Georg Kroneis u.a.

Label: Art House

EAN: nicht vorhanden

Über die Verbindungen zwischen Volksmusik und Klassik wurde und wird vor allem bei Joseph Haydn sehr viel spekuliert. Während sich um so manche Melodien die wildesten Mythen ranken, gilt bei den Sauschneidern und dem daraus entstandenen Capriccio für Klavier der Entstehungsverlauf als gesichert. War doch das Lied „Acht Sauschneider müssen sein“ ein damals weitverbreitetes Volkslied. Auf haydnisch-humoristische und hochvirtuose Weise setzen sich Michael Hell, Georg Kroneis und einige mehr mit diesem Thema auseinander.  

Es gibt sie heute tatsächlich noch, jedoch nur noch in sehr geringer Zahl – die professionellen Sauschneider! Also jenen Berufszweig, „dessen Aufgabe in der Kastration jener Tiere bestand, die in der Landwirtschaft als Fleischlieferanten oder Zugtiere benutzt wurden.“ Vor allem die Lungauer Sauschneider waren über Jahrhunderte berühmt und zogen weit über die Landesgrenzen umher, um ihrer Arbeit nachzugehen. Ein schon im 18. Jahrhundert beliebtes Scherzlied besingt, wie viele es denn braucht, um einen „Saubären“ zu schneiden. Auch Joseph Haydn kannte dieses Lied offenbar und hat 1765 sein Sauschneider Capriccio bzw. Capriccio in G-Dur Hob. XVII:1 komponiert. Dieses, und zwei weitere Originalcembalowerke Haydns hat Michael Hell nun an einem besonderen Instrument aufgenommen, dem sog. Leydecker-Cembalo aus der Sammlung des Grazer Universalmuseums Joanneum, gebaut im Jahr 1755.

Besonders ist hier nicht nur das Instrument und die virtuose Interpretation durch den Cembalisten Michael Hell, sondern auch die Aufmachung als Buch mit Doppel-CD. Viele Bilder und Geschichten beschreiben den Stand der Lungauer Sauschneider auf historische und humoristische Weise und stellen einen Bezug zum Wiener Hans Wurst und letztendlich auch zu Joseph Haydn her. Auch die Aufnahme des Liedes mit Georg Kroneis mit Cembalobegleitung durch Michael Hell ist ausgesprochen gelungen und im Bereich der sog. ernsten Musik wohl erstmals so zu hören. Ergänzt wird das solistische Programm durch das Cembalokonzert in F-Dur, das Michael Hell mit feiner Streichquintettbegleitung musiziert. Wer schon immer auf der Suche nach dem Humor in Haydns Musik gewesen ist, wird hier auf alle Fälle fündig. Ein Album als zauberhafter musikalischer Gruß des Grazer Künstler_innenkollektivs Art House, das auch schon in den vergangenen Jahren u.a. mit den Sounds of Eggenberg ein ordentliches Lebenszeichen von sich gegeben hat. (mg)