Rezensionen

Hoffmanns Erzählungen in Salzburg.

14. August 2024, 08:08 Uhr

(c) Salzburger Festspiele

Gestern erfuhr man in Salzburg nicht nur, dass Riccardo Muti Bruckners 8. Symphonie zum ersten Mal überhaupt dirigieren wird, man machte auch die Erfahrung, dass ein guter Tenor für einen Erfolg von Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach nicht genügt. Musikchefin Ursula Magnes berichtet aus Salzburg.

Offenbachs Oper Hoffmanns Erzählungen war lange nicht im Programm der Salzburger Festspiele. Zuletzt 2003 mit Neil Shicoff in einer Inszenierung von David McVicar. Berührende Szenen zwischen der Muse Nicklausse und dem Titelhelden sind mir in Erinnerung geblieben. Was mir von der gestrigen Premiere bleiben wird? Ein recht düsteres Eröffnungsbild, ein klassischer Einkaufswagen und ein auf dem Fahrgestell schlafender Hoffmann. Zu viel getrunken - kann passieren. Und dann? Regisseurin Mariame Clément verlegt die Suche nach dem weiblichen Idealbild auf ein Filmset. Dort darf Hoffmann munter seine Bilder projizieren und es tummeln sich viele Personen am Set. Das war es auch schon. Viel zu schauen, wenig Emotion. Die Bühne des Großen Festspielhauses ist eben auch verdammt breit.

Mit zwei Pausen zieht sich der Abend unnötig in die Länge. Benjamin Bernheim hat eine wunderbar tragende Tenorstimme, die aus allen Winkeln der Bühne gut zu hören ist. Seine schönen Farben und die Nuancen seiner Stimme konnte er gestern wenig ausspielen. Marc Minkowski hat im Gegensatz zu Christian Thielemann nicht die Erfahrung wie man die Wiener Philharmoniker dazu bringt ihren größten Trumpf auszupacken, ihre Piano-Kultur. So ist das musikalische Geschehen zwischen Bühne und Graben etwas zerfallen. Kathryn Lewek sang alle drei Frauenrollen. Am überzeugendsten die erste: Olympia. Stella als auch Giuletta gerieten farblos und an der stimmlichen Grenze. Auch Christian Van Horn hatte viel zu tun. Er verkörperte die drei Bösewichte Lindorf, Coppélius, Dr. Miracle und Dapertutto. Aktiv und Quirlig auf der Bühne. Mit Abstand am meisten Applaus erhielt Kate Lindsey als Die Muse und Nicklausse.

Schade, die Summe der Einzelteile wollte gestern keinen stimmigen Opernabend ergeben. Das „fantastische Drama“ konnte nicht abheben. Was sich in den folgenden sechs Vorstellungen vielleicht noch ergeben kann. Abseits vom Premierenstress und der Frage ob es Benjamin Bernheim gut tat, so knapp davor bei der Schlussfeier der Olympischen Spiele in Paris zu singen. (um)