Rezensionen

Il viaggio a Reims

25. Mai 2026, 08:15 Uhr

SF / Monika Rittershaus

In Salzburg ging am Pfingstmontag im Haus für Mozart ein weiteres Mal Barrie Koskys Inszenierung von Gioachino Rossini Oper Il viaggio a Reims über die Bühne und erntete am Ende stehende Ovationen.
Rossini komponierte Il viaggio a Reims 1825 anlässlich der Krönung des französischen Königs Karl X. für das Pariser Théâtre-Italien.
Warum geht es? Eine bunt zusammengewürfelte internationale Gesellschaft ist am Weg zur Krönung von König Karl X., sitzt aber im Hotel „Zur Goldenen Lilie“ fest; weit und breit ist kein Pferd aufzutreiben für die Weiterreise. Aus diesem Setting entwickelt Regisseur Barrie Kosky ein aberwitziges Dauer-Klamauk-Komödienfeuerwerk, das das ausgezeichnete Ensemble rund um Intendantin Cecilia Bartoli famos mitträgt und gestaltet. Nicht zufällig geht es hier in Salzburg nicht um einen König, sondern um die Geburtstagsgala der berühmten Mezzosopranistin „La Ceci“, die schlussendlich tatsächlich aus der Torte hüpft. Im Juni feiert die Bartoli ja ihren 60er.
Die liebevoll opulenten Kostüme von Victoria Behr sind eine Augenweide! Auf der Bühne von Rufus Didwiszus drehen sich die Türen im ersten Teil unablässig, gehen auf-zu, auf-zu, auf-zu. Das 8-köpfige Tanzensemble gibt einfach alles und wirbelt wahrscheinlich immer noch an der Salzach herum! 
Rossinis Stück ist sicher nicht per se sein aufregendstes, aber Kosky holt alles und noch mehr heraus. Die unter Gianluca Capuanos Leitung spielenden Les Musiciens du Prince-Monaco klingen hervorragend! Ambitioniert, differenziert und von Capuano mit dem immer richtigen Tempo ausgestattet.
Aus der Besetzungsriege sticht Mélissa Petit mit glitzernden Koloraturen hervor. Ihr fantastischer Hut sowieso! Tara Erraught als Hotelbesitzerin Madama Cortese, Ildebrando D’Arcangelo als verliebter Lord Sidney und Florian Sempey als eloquenter Antiquitätenhändler Don Profondo. Und natürlich Misha Kiria als wuchtiger Barone di Trombonok. Selbstredend steht Cecilia Bartoli im Zentrum: sie gibt die Dichterin Corinna, einst die Rolle der Giuditta Pasta. Ihre Auftritte mit Harfe sind Höhepunkte der dreistündigen Vorstellung. Perfekt dabei der darstellende Harfenist auf der Bühne und der tatsächlich im Graben spielende Markus Thalheimer. 
Im Sommer steht diese aufwendige Inszenierung auch auf dem Spielplan der Salzburger Festspiele - inklusive Galavorstellung mit Überraschungsgästen. 

(Marion Eigl)