CD der Woche
J.S.Bach: Französische Suiten
11. Juli 2026, 07:35 Uhr
Interpreten: Wolfgang Brunner
Label: Gramola
EAN: 9003643993761
Wolfgang Brunner gehört zu den renommiertesten Alte-Musik Spezialisten unseres Landes. Diesmal hat er sich ohne seine Salzburger Hofmusik, ganz allein ins Studio begeben, um auf einem besonderen Instrument, besondere Musik zu spielen. Johann Sebastian Bachs Französische Suiten auf einem Andreas Ruckers Cembalo von 1628. Klingt ziemlich frisch für seine knapp 400 Jahre, findet Michael Gmasz.
Sie sollen ein Hochzeitsgeschenk für seine Anna Magdalena gewesen sein, so heißt es in Musikwissenschafterkreisen, über zumindest die ersten fünf der sechs Französischen Suiten. Sind sie doch im sogenannten Clavierbüchlein für Anna Magdalena Bach erstmals zu finden. Wolfgang Brunner schreibt im Beiheft dieser CD über den „vermischten Geschmack“, der hier französische Stilistik mit italienischen Elementen kreuzt und laut Brunner den Interpreten vor die schwierige Aufgabe stellt, zu entscheiden, welche nun dominieren sollen. Brunner hat sich für eine gemischte Herangehensweise entschieden, gibt es doch seiner Meinung nach „nicht die eine, einzig wahre Darstellung“. Französische Ornamentik trifft also auf italienische Tempi und umgekehrt.
Das Instrument, auf dem Wolfgang Brunner die sechs Französischen Suiten von Bach spielt, stammt aus der Werkstatt von Andreas Ruckers und ist auf das Jahr 1628 datiert. Und auch wenn nicht überliefert ist, dass Bach jemals ein Ruckers Cembalo gespielt oder diese überhaupt gekannt hat, so darf es doch stark angenommen werden, da diese Instrumente in den künstlerischen Kreisen jener Zeit hoch angesehen waren. Die Transparenz, Wärme und Farbigkeit dieses historischen Originals verleihen Bachs Tanzsätzen eine Authentizität, die unmittelbar fesselt. Dazu kommt der natürliche Zugang zur Musik durch Wolfgang Brunner. Keine übertriebene Virtuosität oder akademische Strenge, mehr eine Art Musik-Erzählen mit viel Liebe zum Detail. Wer die Französischen Suiten bereits kennt, wird viele Feinheiten neu entdecken; wer ihnen erstmals begegnet, erhält einen idealen Zugang zu diesen fantastischen Werken Johann Sebastian Bachs.



