Rezensionen
Jubel für Thielemann in Salzburg.
27. Juli 2024, 12:34 Uhr
Kritik Capriccio
Salzburg 26. Juli 2024
Die erste Premiere der Salzburger Festspiele war die Konversationsoper „Capriccio“ von Richard Strauss. Eine wunderbare Gelegenheit mit einer konzertanten Aufführung die Festspiele zu eröffnen. Unser Opernexperte Richard Schmitz berichtet.
„Spaß beiseite – Ich mag eigentlich keine Oper mehr schreiben, sondern möchte …so etwas ganz Ausgefallenes, eine dramaturgische Abhandlung …schreiben.“ Das schrieb Richard Strauss im Jänner 1939 an Clemens Krauss. Geworden ist es eine humorvolle Abhandlung über das Gleichgewicht von Wort und Musik, über die Bedeutung des Theaters und über die beständigen Revolutionen in der Operngeschichte. Da sich die Gräfin im Finale nicht zwischen dem Musiker und dem Dichter entscheiden kann, bleibt auch die Frage prima la musica, doppo le parole, oder umgekehrt unbeantwortet. Nicht nur musikalisch wird ständig zitiert, auch im Text wimmelt es von Anspielungen. Man merkt, dass da zwei Theaterpraktiker am Werk waren, die täglich damit beschäftigt waren, Opern auf die Bühne zu bringen und offenbar Spaß bei der Sache hatten. Die üblichen altbekannten Vorwürfe gegen die Institution der Oper werden dem Bruder der schwärmerischen Gräfin Madeleine in den Mund gelegt. Der Theaterdirektor La Roche verteidigt das Opern-Theater gegen die spöttischen Angriffe des Dichters und des Komponisten, die wiederum die Moderne symbolisieren. Es ist ein intellektuelles Vergnügen diesem Libretto zu folgen. Zahlreiche Pointen verleiten mit ihrer Ironie zum Lachen.
Dass alle diese Vorzüge gestern voll zur Geltung kamen, verdanken wir dem Star des Abends, dem Dirigenten Christian Thielemann. Er durchleuchtet die Partitur bis in ihre kleinsten Details. Schon das einleitende Streichsextett wird von ihm gestaltet, Die Solisten können ihre Pointen platzieren, weil der Konversationston bestens durchgehalten wird. Elsa Dreisig singt wunderbar, mit jugendlichem Timbre, da bleibt die Melancholie des abgeklärten Witwenstandes unterbelichtet. Der Zynismus des gräflichen Bruders ist bei Bo Skovhus schon liebenswerte Routine. Sebastian Kohlhepp sang den Musiker Flamand und Konstantin Krimmel den Dichter Oilvier. Man versteht, dass sich die Gräfin nicht zwischen den beiden entscheiden kann, sie sind einfach beide liebenswert. Der Monolog des La Roche wird von Mika Kares zum Schlüsselstück der Handlung. „Sic itur ad astra.“ So geht’s zu den Sternen. Auch Eve-Maud Hubeaux beteiligt sich als Schauspielerin Clairon engagiert an der Konversation. Jörg Schneider als Monsieur Taupe ist schon fast eine Überbesetzung. Auch alle übrigen Solisten sangen auf höchstem Niveau. Es gab keine einzige Schwachstelle. Die Wiener Philharmoniker blühten nach kurzen Anlaufschwierigkeiten zu Höchstform auf, was sie unter Thielemann besonders gerne machen. Der regiebefreite Abend wurde ausgiebig bejubelt, man musste ja keinen Regisseur ausbuhen. (RS)
Wertnote: 8,8/10 Punkten



