CD der Woche
Mathilde Kralik von Meyrswalden
10. Januar 2026, 07:35 Uhr
Interpreten: Female Symphonic Orchestra Austria, Silvia Spinnato
Label: Gramola
EAN: 9003643993242
Eine außergewöhnliche Wiederentdeckung entführt uns zu Beginn des neuen Jahres tief in das Werk der beinahe vergessenen Komponistin Mathilde Kralik von Meyrswalden. Mit der Hymnischen Symphonie und einem Klaviertrio präsentiert das Female Symphonic Orchestra Austria Klangkunst von emotionaler Schönheit – live eingefangen beim Internationalen Brucknerfest in Linz. Ein Juwel, das nicht nur historisch, sondern auch musikalisch glänzt.
Auch 2026 werden uns, zum Glück!, Wiederentdeckungen von großartiger Musik weiblicher Provenienz begleiten, das lässt sich ohne Glaskugel oder passenden Kaffeesatz voraussagen. Wie z.B. die Musik von Mathilde Kralik von Meyrswalden, 1857 in Linz geboren und ab 1877 in Wien ausgebildet und wohnhaft. Sie zählte zu den wenigen Komponistinnen, die bei Anton Bruckner studierten. In einer wohlhabenden, bürgerlich-künstlerisch geprägten Familie aufgewachsen, erhielt sie hervorragende Ausbildungen bei Bruckner, Franz Krenn und Julius Epstein. Vor allem ihre Lieder fanden Anerkennung bei Kritikern wie Eduard Hanslick, doch ihre symphonischen Werke gerieten weitgehend in Vergessenheit. Bis die neue CD, erschienen bei Gramola, nun die sogenannte Hymnische Symphonie und eine frühes Klaviertrio zurück ins Scheinwerferlicht rückt.
Aufgenommen beim Internationalen Brucknerfest 2021 in Linz lässt sich auf dieser CD, laut Informationen im Beiheft, die späte Uraufführung der revidierten Fassung der Hymnischen Symphonie erleben. Dirigentin Silvia Spinnato, die sich persönlich sehr stark für das Schaffen Kraliks einsetzt, führte das Female Symphonic Orchestra Austria und die Sopranistin Jacquelyn Wagner durch Kraliks orchestrale Visionen, die vor wenigen Wochen nun als Weltersteinspielung bei Gramola erschienen sind. Das ist große, saftige, originelle Musik, in einer spätromantischen Klangsprache, die sich vor dem Oevre der männlichen Zeitgenossen nicht zu verstecken braucht. Ergänzt wird dieses Meisterwerk durch das Klaviertrio in F-Dur – ebenfalls ein selten gehörter Schatz – gespielt von Chanelle Bednarczyk (Violine), Alba Hernández Cárcamo (Cello) und Heghine Rapyan (Klavier). Man muss bei der Wiederentdeckung von Komponistinnen nicht zwangsweise Jahrhunderte zurück und über die Grenzen blicken. Es finden sich auch in der etwas jüngeren Österreichischen Vergangenheit Werke, die eine Renaissance auf der Bühne und dem Tonträgermarkt mehr als verdienen! (mg)



