CD der Woche

Melartin: Symphonies 5 & 6

30. August 2025, 07:35 Uhr

Interpreten: Turku Philharmonic Orchestra, Ari Rasilainen

Label: cpo

EAN: 761203555826

Erkki Melartin – ein Name, der außerhalb Finnlands noch immer viel zu selten erklingt. Dabei war der 1875 geborene Komponist eine zentrale Figur der finnischen Musikszene im frühen 20. Jahrhundert. Als Leiter des Musikinstituts in Helsinki prägte er Generationen von Musiker:innen, als Dirigent brachte er Mahler erstmals nach Skandinavien, und als Komponist hinterließ er ein beeindruckendes Œuvre. Zwei seiner sechs Sinfonien finden sich auf unserer CD der Woche, die auch heute wieder Michael Gmasz näher vorstellt.

Stilistisch ist Erkki Melartins Musik zwischen Spätromantik, Impressionismus und beginnender Moderne angesiedelt, reich an Kontrasten und Farben, oft durchzogen von nordischer Melancholie und metaphysischer Tiefe. Seine fünfte Sinfonie, die „Sinfonia brevis“, entstand zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Trotz ihrer konventionellen Länge von rund 33 Minuten trägt sie den Beinamen „brevis“ – laut Dirigent Ari Rasilainen nicht wegen ihrer Dauer, sondern wegen ihrer strukturellen Dichte. Die Sätze sind paarweise attacca verbunden, was ihr einen fast zweisätzigen Charakter verleiht. Die sechste Sinfonie, „Symphony of the Elements“, ist ein Werk von großer symbolischer Kraft. Melartin begann bereits 1908 mit Skizzen, vollendete sie aber erst 1925. Sie reflektiert seine theosophische Weltanschauung und ist ein musikalisches Porträt der vier Elemente – Erde, Wasser, Luft und Feuer. Die Musik ist dabei alles andere als esoterisch: farbenreich, kontrapunktisch raffiniert und voller expressiver Energie.

Die neue Einspielung mit dem Turku Philharmonic Orchestra unter Ari Rasilainen ist ein Glücksfall. Rasilainen gelingt es, die stilistische Vielschichtigkeit dieser Werke transparent und spannungsvoll herauszuarbeiten. Besonders die Quadrupelfuge am Ende der Fünften wird zum triumphalen Höhepunkt, während die Sechste mit ihrer mystischen Aura und orchestralen Farbigkeit fasziniert. Anfang Februar hätte Erkki Melartin seinen 150. Geburtstag gefeiert, ein Jubiläum, das hierzulande keinerlei Beachtung gefunden hat. Diese Aufnahme aber lässt uns nicht nur Melartin neu entdecken, sondern zeigt auch, wie viel es jenseits von Sibelius in der finnischen Musik zu genießen gibt. (mg)