CD der Woche

Musik aus dem alten Hamburg

8. August 2026, 07:35 Uhr

Interpreten: Europäisches Hanse-Ensemble, Manfred Cordes

Label: cpo

EAN: 761203578122

Wenn man musikgeschichtlich über die historische Hansestadt Hamburg spricht, sind es meist Georg Philipp Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach, die einem in den Sinn kommen. Dass Hamburg auch vorher kein musikalisches Ödland gewesen ist, beweist Manfred Cordes nun mit der bereits vierten Ausgabe der Reihe Musik der Hansestädte. Ein Ausflug in den Norden.

Manfred Cordes kennt man in der Alte-Musik Szene seit vielen Jahren vor allem als Leiter des Ensembles Weser Renaissance. 2019 hat Cordes zusätzlich mit dem Europäischen Hanse-Ensemble ein Projekt ins Leben gerufen, das sich an talentierte Nachwuchsmusikerinnen und -musiker speziell auf dem Gebiet der Alten Musik wendet, die an einer europäischen Musikhochschule oder einem Konservatorium studieren oder studiert haben und die ihr 32. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Ziel des Projektes ist es jedoch nicht nur, jungen Künstlerinnen und Künstlern eine Spielmöglichkeit zu bieten, sondern vor allem auch das großartige musikalische Erbe der Hanse-Städte aus der Zeit um 1600 wiederzuentdecken und es für unsere Zeit in Konzerten und auch CD Aufnahmen neu zu beleben. Nach Stralsund, Danzig und Magdeburg ist es auf der vierten CD dieser Reihe nun also Hamburg.

Hamburg um 1600, das bedeutet Musik von Hieronymus und Jacob Praetorius, Johannes Schop, Dietrich Becker, Matthias Weckmann, Christoph Bernhard und Thomas Selle, Komponistennamen, die es bisher, bis auf Praetorius, noch eher nicht in unsere Breiten geschafft haben. Und wieder beweist Manfred Cordes, dass diese Musik in seinen und den Händen seiner Musikerinnen und Musiker bestens aufgehoben ist. Hier wird präzise und enthusiastisch musiziert und gesungen. Auch hier steht, wie auch zuletzt immer wieder, ein besonderes Instrument im Mittelpunkt, wenn auch nicht solistisch oder überpräsent im Einsatz - die größte mitteltönig gestimmte Orgel der Welt, die seit ihrer Fertigstellung im Jahr 2000 in der Neuen Kirche des Göteborger Stadtteils Örgryte steht. Musik aus alter Zeit in neuem Glanz sozusagen. Manche dynamische Überlappungen des bläsergestärkten Instrumentalensembles gegenüber dem Chor sei hier verziehen, bei dieser spannenden Reise in ein Hamburg, das es so seit Jahrhunderten nicht mehr gibt. (mg)