Rezensionen

Operetten-Mekka Blindenmarkt.

6. Oktober 2024, 10:51 Uhr

Michael Zallinger (José), Dany Sigel (Wirt), Mariella Hofbauer (Julischka Varady) & Crew Herbsttage
(c) Lukas Beck

Die Anreise war operettenreif. Der Zug landete in Meidling am falschen Gleis. Also warten, zurück ein Stück und dann im Kriechtempo nach Amstetten. Und schnur stracks mit dem Taxi nach Blindenmarkt. Die Ybbsfeldhalle war knall voll und alle warten gespannt auf die Premiere der großen Operette „Maske in Blau“ von Friedrich Raymond Vesely. Noch nie gehört? Er feierte Erfolge als Fred Raymond. Musikchefin Ursula Magnes berichtet. 

Seit 35 Jahren begeistert Intendant Michael Garschall seine Marktgemeinde Blindenmarkt mit Kultur auf höchstem Niveau. Zum Jubiläum setzte er die große Operetten-Revue „Maske in Blau“ auf das Programm. Als hätte Garschall den Ausgang der Nationalratswahl geahnt; Politisches bleibt trotzdem außen vor. Ist auch nicht nötig. Diskutiert wird an der Bar.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Der Maler Armando Cellini portraitiert in San Remo die reiche Argentinierin Evelyne Valera, und gibt ihr einen teuren geerbten Ring. Eine Intrige des Pedro dal Vegas bringt Sand ins Getriebe – jedoch erfolglos. Schließlich finden die beiden im fernen Argentinien ihr Liebesglück.

Die Rollen sind ausgezeichnet besetzt. Tenor Clemens Kerschbaumer singt Armando Cellini höhensicher, Andreja Zidaric bringt für die Evelyne Valera die nötige Eleganz und geheime Schönheit auf die Bühne. Das Buffopaar spielt, singt und tanzt alle Stückerln. Den nötigen Paprika hat Mariellla Hofbauer als Juliska Varady und Lukas Karzel hat als ihr Joe Fraunhofer viele Lacher auf seiner Seite. Die Schauspielerriege ist glänzend besetzt: Stefano Bernadin bringt als Kilian eine kräftige Portion Nestroy ins Spiel, Elisabeth Lizzi Engstler überzeugt als Gonzala. Georg Kusztrich als Pedro dal Vegas ist ein feuriger Haudegen und Dany Sigel spielt rrröstfrisch (ja, die Kaffee-Werbung) die Signora d’Argento in San Remo und die Wirtin im fernen Argentinien.

Die Bühne ist wirklich nicht sehr groß. Umso bemerkenswerter die launigen Choreografien von Lisa-Marie Rettenbacher, sogar maskierte Pferde, in urkomischen Kostümen von Julia Pschedezki, tanzen auf.

Das Publikum war begeistert.

Der Wiener Komponist Fred Raymond beherrschte sein Handwerk, und schuf einen Schlager nach dem anderen. „Am Rio Negro“, „Die Julischka, die Julischka … Paprika“, „Schau einer Frau nie zu tief in die Augen“…  Regisseurin Isabella Gregor und ihr Team  haben uns herrlich unterhalten. Wer aktuell eine gut gemachte Operetten-Revue sehen will, der pilgere nach Blindenmarkt. (UM)

© Ursula Magnes