Rezensionen
Passion - Österreichische Erstaufführung.
11. Oktober 2024, 09:10 Uhr
Kritik Passion / 10.10.2024 / Muth
Walter Kobéra hat wieder einmal eine neue Oper entdeckt und sie aus Aix-en-Provence nach Wien gebracht. Opernexperte Richard Schmitz war gestern im Muth.
Die Oper„Passion“ lotet die verschiedenen Bedeutungen und Assoziationen aus, die mit diesem Wort verbunden sind. Leidenschaft bis zur Obsession und grenzenlose Qual.
Lui/ER und Lei/SIE sind ineinander verliebt und anfangs sehr glücklich. Doch Lui kann seine erwachenden patriarchalischen Gefühle nicht beherrschen. Als Lei das endlich zur Kenntnis nimmt, ist es zu spät. Sie wird erwürgt. Die 80-minütige Geschichte eines Femizids wird von Pascal Dusapin mit Musik versehen, die auf Monteverdi zurückgehen soll. Sie klingt aber eigentlich mehr impressionistisch nach Messiaen und Varèse. Dramatisch wurde es nur selten. Dusapin hat auch das Libretto verfasst. Geholfen hat ihm dabei eine Dichterin mit dem passenden Namen Rita de Letteriis.
Melis Demiray ist die liebende Lei. Leider wird sie vom Komponisten allzuoft in die höchsten Regionen ihrer Stimme geführt. Das bewältigt sie mit Bravour. Wolfgang Resch singt mit einer Stimme, die an den jungen Neil Shikoff erinnert. Das Erwachen brutaler Besitzgier bis hin zum patriarchalischen Menschen gelingt ihm nur peripher. Da müssen seine innere Stimme, eigentlich sechs Stimmen, nachhelfen. Diese schwarzen Gestalten verkörpern das Abgründige mit Flüstern, Geräuschen, Tanz und Pantomime. Die Regie von Ursula Horner und das Bühnenbild von Norbert Cgmel zeigen den Ablauf dieses Femizids eher nüchtern. Walter Kobéra leitet das kleine Orchester, die Elektronik-Zuspielungen und die Sänger mit Hingabe.
Das Publikum war zufrieden und feierte alle Mitwirkenden und den Komponisten.
Für Liebhaber moderner Opern eine gute Gelegenheit hinzugehen.
Walter Kobéra sei Dank.
Wertnote: 6,8/10 Punkten



