Predigten Josef Grünwidl

Predigt bei der Bischofsmesse für Religionsleherinnen und Religionslehrer (24. Februar 2026).

24. Februar 2026, 18:00 Uhr

Florian Feuchtner

Ich halte mich jetzt an das, was unsere Schulamtsleiterin am Beginn gesagt hat, es gibt heute nur Fest- und Ehrengäste.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Fest- und Ehrengäste hier im Kirchenschiff und im Presbyterium versammelt.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Bischofsweihe vorbereitet haben, sie haben Ende Oktober damit begonnen, sind bald am Verzweifeln gewesen, weil sie nicht mehr wussten, wo sie die vielen Menschen unterbringen sollen im Dom, die gerne mit dabei gewesen wären.
Und dazu habe ich schon bald gehört, dass in dieser großen Schar derer, die gehört haben, es geht leider nicht, waren viele, viele hunderte Religionslehrerinnen und Religionslehrer.
Und so war es bald klar, dass wir für sie, für euch, liebe Schwestern und Brüder, dann bald nach meiner Weihe einen eigenen festlichen Gottesdienst ansetzen werden.
Und ich freue mich sehr, dass es heute soweit ist.
Weil heute genau ein Monat nach dem Tag meiner Bischofsweihe auch wieder in der Kirche ein besonderer Tag gefeiert wird, das Fest des Apostels Matthias.
Und von ihm ausgehend sehe ich so drei Querverbindungen, zu denen die Religion unterrichten, die sich um den Religionsunterricht in unseren Schulen bemühen, in den verschiedensten Aufgaben und Arbeitsfeldern.

Zunächst einmal der Name.
Matthias heißt übersetzt Geschenk Gottes.
Ich sehe den schulischen Religionsunterricht wirklich als ein Geschenk Gottes, als ein wertvolles, kostbares Geschenk, das es in unserem Land gibt.
Und ich danke auch für die vielen Geschenke Gottes, die hier sitzen und stehen, für Sie alle, die Sie sich bereit erklärt haben, diesen Beruf, diesen Dienst in der Kirche zu übernehmen.
Ein großes Danke und auch ein großes Zeichen der Wertschätzung von meiner Seite für Sie alle und für den schulischen Religionsunterricht.
Denn oft haben ja Kinder und Jugendliche in unserer Zeit keinen Zugang mehr zu Gesprächen über Gott und die Welt.
Weder in der Familie noch in einer religiösen Gemeinschaft.
Der schulische Religionsunterricht wird zunehmend immer mehr zum ersten und oft auch zum einzigen Berührungspunkt von Kindern und Jugendlichen mit Religion, mit religiösen Fragen und Themen.
Und der Religionsunterricht wird dadurch auch zu einem immer wichtigeren pastoralen Feld im Leben der Kirche.
Bitte unterschätzen wir nicht die Bedeutung des Religionsunterrichts und bitte unterschätzen Sie nicht Ihre Arbeit und Ihren Dienst in den Schulen.
Dass es natürlich nicht immer möglich ist, sichtbare Früchte des Religionsunterrichts vorzuweisen, das liegt auf der Hand.
Denn der Religionsunterricht will nicht und kann nicht Katholikinnen und Katholiken produzieren oder den Glauben in die Herzen der jungen Menschen einimpfen.
Darum geht es nicht.
Aber es sind die vielen guten Samenkörner, die Impulse, die Denkanstöße.
Es gibt so viele gute Begegnungen, die der Religionsunterricht vermitteln kann und die wichtig sind.
Das zählt.
Dabei geht es mir zumindest mit dem Religionsunterricht so ähnlich wie mit dem Apostel Matthias.
Von dem wissen wir kaum etwas.
Wir wissen nicht, wann und wo er genau gelebt und gewirkt hat.
Da gibt es ganz unterschiedliche Traditionen und die historische Faktenlage ist sehr dünn.
Vom Religionsunterricht wissen wir auch oft nicht oder meistens nicht, was bei wem hängen geblieben ist oder nicht.
Aber eines wissen wir:
Der Religionsunterricht öffnet einen Raum für Lebensfragen, kann den Horizont weiten vom Ich auf ein Du und ein Wir, auf Gemeinschaft und Schöpfung, kann über konfessionelle Grenzen hinaus ökumenisch, interreligiös Religionen und Kulturen verbinden und so einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft und für ein gutes Miteinander leisten.
Und ich vergleiche den Religionsunterricht gern mit dem berühmten Fuß in der Tür, dass die Tür nicht ganz zufallen kann, sondern einen Spalt offen bleibt.
Manchmal ist es sehr schwierig, kostet es viel Nerven und Kraft, diesen Spalt in der Schule offen zu halten.
Manchmal schlagen uns Kinder und Jugendliche auch die Tür vor der Nase zu, aber sehr oft gelingt es und es kommt zu Gespräch, zu Dialog und Begegnung.
Der Religionsunterricht als Fuß in der Tür, als ein Spalt, der offen bleibt für Gott, für sein Wort und für den Glauben, der sich einpflanzen will in die Herzen der jungen Menschen und der Kinder.
Matthias heißt Geschenk Gottes.
Danke für das Geschenk des Religionsunterrichts.
Danke für die vielen Geschenke der Kirche, die hier sitzen und versammelt sind.

Ein zweites Geschenk.
Nicht nur der Name dieses Apostels ist besonders, sondern auch die Art und Weise, wie er Apostel geworden ist.
Wir haben es in der Lesung gehört, durch das Los.
Das Los hat entschieden.
Nachdem Judas aus dem Zwölferkreis ausgeschieden ist, suchten die Elf einen Ersatz.
Und bevor sie das Los warfen und bevor sie zum Heiligen Geist gebetet haben, wurde eine Bedingung aufgestellt.
Die elf haben gesagt, Apostel kann nur einer sein, der von Anfang an, also vom Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu, von seiner Taufe an bis zur Himmelfahrt dabei war.
Das war die Bedingung.
Apostel sein, Gesandter sein, auch Religionslehrerin, Religionslehrer sein oder ich würde es auch ausweiten, überhaupt in der Kirche haupt- oder ehrenamtlich tätig sein, das geht nur, wenn wir auch Jesus, seinen Weg und seine Worte kennen und über ihn Bescheid wissen, wenn wir verlässlich Auskunft geben können.
Das ist eine Bedingung.

Und mein dritter Gedanke, das allein reicht aber noch nicht.
Das Evangelium hat von Liebe, von Freundschaft und Beziehung geredet.
Allein über Jesus Bescheid wissen und etwas von ihm erzählen können, das ist für einen Apostel, einen Zeugen, eine Zeugin des Glaubens zu wenig.
Es geht um die persönliche Beziehung, um die Freundschaft mit Christus, die wir pflegen sollen, auch im persönlichen Gebet und in der Gemeinschaft mit unseren Schwestern und Brüdern.
Es geht um das Wissen, Christus hat mich erwählt.
Das heißt, er braucht uns, unsere Stimme, unsere Energie, unsere Lebenszeit.
Wer Kindern und Jugendlichen gute Quellen für das Leben erschließen will, der muss auch dafür sorgen, dass die eigenen spirituellen Quellen nicht versiegen.
Es geht im Religionsunterricht eben nicht nur um Sachkompetenz, sondern auch um Glaubwürdigkeit und Authentizität.
Ich habe es bei einem Gottesdienst mit Religionslehrerinnen und Lehrern hier im Dom schon einmal zitiert.
Ich finde, es ist ein wichtiger Gedanke.
Papst Paul VI. hat einmal gesagt, die Menschen von heute hören lieber auf Zeugen als auf Lehrer.
Und wenn sie auf einen Lehrer oder eine Lehrerin hören, dann deshalb, weil es Zeugen sind, glaubwürdig, authentisch, stimmig.

Ich schließe mit einem Hinweis auf meinen Wahlspruch, "Nehmt Gottes Melodie in euch auf".
Die Melodie Gottes ist das Evangelium und die Kirche in ihrer ganzen Bandbreite der pastoralen Tätigkeit, die Kirche ist das Instrument,
das die Melodie Gottes in der Welt zum Klingen und Schwingen bringen will.
Den schulischen Religionsunterricht und auch den ganzen kirchlichen Bildungsbereich sehe ich als einen Big Player in der Kirche, als ein ganz wichtiges Instrument, die Melodie des Evangeliums unter die Leute zu bringen.

Liebe Schwestern und Brüder, Menschen von heute hören lieber auf Zeugen und Zeuginnen als auf Lehrer und Lehrerinnen.
Ich wünsche Ihnen, ich wünsche Euch allen, dass Sie die Melodie Gottes nicht nur unterrichten, sondern dass Sie als Person mit Ihrem Leben authentisch und stimmig ein Ton, in Gottes Melodie sind.
Und dafür ein großes Danke.