Predigten Josef Grünwidl
Predigt bei der Bischofsmesse in Kirchberg (1. März 2026).
1. März 2026, 10:00 Uhr
Liebe Pfarrer Herbert, liebe Brüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, geschätzter Herr Bürgermeister, liebe Schwestern und Brüder und auch liebe Ministrantinnen und Ministranten in großer Schar hier vorne, besonders auch liebe Schwestern und Brüder auf den Stehplätzen hier in der Kirche.
Einige haben es hier im Freistritztal immer schon bewusst und haben gesagt, der Pfarrer, der ist zu etwas Höhere berufen.
Ich habe das nicht gewusst, und ich habe nie eine kirchliche Karriere angestrebt.
Ich wollte immer gern als Pfarrer arbeiten, möglichst nahe bei den Menschen.
Und ich versuche auch jetzt als Bischof, so gut es geht, immer wieder in die Pfarren zu kommen, mit Menschen in Gespräch zu sein, in Kontakt zu kommen.
Ich freue mich sehr, dass ich heute hier sein darf.
Wenn ich zurückdenke an die 16 Jahre im Feistritztal,
Ich habe ja angefangen als Pfarrer von Kirchberg und Feistritz, dann ist St. Corona dazugekommen und dann auch noch Trattenbach, schließlich das ganze Feistritztal.
Wenn ich so zurückdenke, bin ich sehr, sehr dankbar für diese Jahre hier bei euch und mit euch.
Ich habe hier vieles gelernt.
Ich kann nur aus dem zustimmen, was Michael Pfliegler geschrieben hat,
Michael Pfriegler war vor langer Zeit Kaplan hier in Kirchberg, später dann ist er in Wien Universitätsprofessor, Pastoraltheologe geworden.
Und er hat seine Erinnerungen überschrieben mit dem Titel »Tagebuchaufzeichnungen aus dem Paradies«.
Es war wirklich eine sehr schöne Zeit, aber natürlich wissen wir alle, im Paradies gibt es auch eine Schlange.
Es hat auch hier natürlich manchmal Probleme und Sorgen und Schwierigkeiten gegeben, aber das Gute, das Positive und das Schöne überwiegt bei Weitem.
Ich danke allen, die damals mit mir unterwegs waren, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Und ich danke vor allem denen, die jetzt hier in Feistritztal das Pfarrleben mitgestalten, Verantwortung übernehmen, anpacken und dafür sorgen, dass es mit den Pfarrgemeinden und dem pfarrlichen Leben in den Pfarren gut weitergeht, vor allem auch im Blick auf die Zukunft mit Kindern und mit Jugendlichen.
Aber ich möchte jetzt nicht sentimental werden und auch nicht so viel von mir reden, sondern schauen wir jetzt auf etwas, das wichtig ist.
Das Evangelium.
Jedes Jahr am zweiten Fastensonntag hören wir die Erzählung von der Verklärung Jesu am Berg.
Die Tradition sagt, es war der Berg Tabor, wo Jesus mit einigen Aposteln hinaufgegangen ist, und dort auf einmal taucht Gott vom Himmel her, Jesus in strahlend weißes Licht hinein.
Es ist eigentlich schon ein österliches Ereignis.
Jesus leuchtet und strahlt am Berg schon wie der Auferstandene.
So gestärkt kann er dann wieder hinuntergehen vom Berg und unten wartet das Leid, das Kreuz und der Tod auf ihn.
Mit dem Evangelium von der Verklärung sagt uns die Kirche, worum es jetzt geht in der Fastenzeit.
Sinn und Ziel der Fastenzeit ist eine Klärung.
Innere Klarheit.
Was in uns dunkel ist oder schmutzig, das soll wieder gereinigt werden, das soll wieder leuchten und strahlen.
Die Fastenseit ist der Frühjahrsputz der Seele.
Frühlingsbeginn feiern wir und heute ist herrliches Frühlingswetter.
Und so leuchtend und hell und froh soll es in uns sein.
Die Vergärung Jesu spricht auch eine Ursehnsucht des Menschen an.
Das Evangelium sagt uns damit auch:
Alles wird gut.
Das Böse, nicht der Hass, nicht die Dunkelheit, nicht der Tod wird siegen, sondern das Licht wird siegen.
Das Gute, der Friede.
Dem Tod wird der letzte Schrecken genommen für Menschen, die glauben können, es gibt ein Leben danach, im Licht, in der Verklärung bei Gott.
Also jetzt soll es in uns hell werden.
Es soll wieder eine innere Klarheit, eine innere Ordnung geschaffen werden.
Aber wie soll das gehen?
Ich habe dazu zwei Anregungen.
Der erste Tipp hat mit meinem Wahlspruch zu tun.
Nehmt Gottes Melodie in euch auf.
Das ist ein Satz, den ein Märtyrerbischof so um das Jahr hundert, also ganz am Anfang der Kirche, geschrieben hat.
Er wurde verhaftet.
Er war auf dem Weg nach Rom, wo er als Märtyrer gestorben ist, und auf diesem Weg hat er Briefe geschrieben an seine Gemeinden, Abschiedsbriefe.
Und da heißt es auch in einem Brief, nehmt Gottes Melodie in euch auf.
Die Melodie Gottes ist das Evangelium.
Das Evangelium sollen wir aufnehmen in unser Leben und zum Klingen bringen.
Ich denke mir, das ist gerade auch für die Fastenzeit jetzt ein wichtiger Hinweis.
Das ganze Evangelium ist zu viel, aber vielleicht genügt schon ein Satz.
Selig die Frieden stiften.
Und da müssen wir jetzt nicht gleich an Trump und Putin denken und an den schrecklichen Krieg,
der gestern in Iran begonnen hat und wo die Folgen und die Katastrophen für die ganze Welt noch gar nicht absehbar sind, sondern vielleicht denkt man daran, ist irgendwo der Kontakt zu einem Menschen abgerissen?
Habe ich das Gespräch beendet?
Vielleicht sogar Streit oder Hass?
Vielleicht den ersten Schritt machen, die Hand zur Versöhnung reichen.
So beginnt das Evangelium in mir zu klingen, so wird es hell in mir.
Ein anderes Wort seligt die barmherzig sind.
Das sind nicht die, die immer das eigene Ego auf den Sockel stellen, sondern die auf andere schauen, die andere nicht verurteilen, sondern versuchen zu helfen und zu teilen.
Das Evangelium, die Melodie aufnehmen ins eigene Leben, das macht mein Leben hell und strahlend.
Und noch ein zweiter Hinweis, den ich gefunden habe bei einem Schweizer Theologen,
Er ist ein evangelischer Theologe gewesen, Karl Barth, und er hat manchmal auch recht originelle Tipps gegeben.
Er hat gesagt, zur Fastenzeit gehören drei Handbewegungen.
Hände falten, Hände aus der Hausentasche, Hände in den Schoß liegen.
Was meint er damit?
Hände falten, das ist klar.
Früh, vielleicht auch zu Mittag und am Abend Kontakt mit Gott aufnehmen und beten.
Darum geht es jetzt in der Fastenzeit, das eigene Gebetsleben wieder zu stärken.
Immer wenn ich bete, dann ist es so, als würde ich mich in die Sonne stellen, mich von Gott und seiner Liebe anleuchten lassen.
Wenn ich bete, wird mein Leben hell, und es klärt sich manches.
Das zweite, Hände aus der Hosentasche, das heißt, tu etwas.
Schau nicht nur zu, sondern pack an, greif zu dort, wo du merkst, da bin ich jetzt gefragt, da könnte ich helfen, da könnte ich etwas tun, da könnte ich teilen.
Also Fasten heißt auch ganz konkret etwas tun.
Der dritte Tipp von Karl Barth, Hände in den Schoß legen.
Er empfiehlt am Abend, wenn ich auf einen Tag zurückschaue, dann gibt es hoffentlich vieles, wo ich sage, das habe ich super gemacht, das ist mir gelungen.
Aber sich immer wieder auch bewusst machen, ich habe mein Leben nicht in der Hand, kann nicht alles bestimmen.
Mein Leben ist mir geschenkt.
Man darf die Hände auch manchmal in den Schoß legen und auch vertrauen, Gott trägt mich.
Gott hält mich und mein Leben in seiner guten Hand.
Liebe Schwestern und Brüder, mit der Aufforderung, nehmt Gottes Melodie in euch auf.
Das Evangelium, das schafft Klarheit und macht froh.
Und mit diesen drei Handbewegungen, Hände falten,
Hände aus der Hosentasche, Hände in den Schoß legen, das könnte dazu beitragen, dass auch wir jetzt in der Fastenzeit schon ein wenig Verklärung erleben.
Dass sich manches wieder aufhält in unserem Leben.
Dass es klarer wird und schöner und strahlender.
Das ist ein Fasten, wie Gott es liebt.
Wenn wir auf unserem Weg unterwegs sind, dann wird es nicht nur draußen Frühling, sondern auch in uns.
(Danke an Markus Göstl für den Mitschnitt und die Fotos!)



