Predigten Josef Grünwidl

Predigt bei der Sendung der Patoralassistentinnen und Pastoralassistenten (2. Oktober 2025)

2. Oktober 2025, 20:00 Uhr

Liebe Ministrantinnen und Ministranten, heute in erfreulich großer Anzahl hier im Dom, liebe Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten, liebe Schwestern und Brüder, begleitet auf allen Wegen.
Dieses Motto habt ihr für eure Sendungsfeier ausgewählt und es passt sehr gut zum heutigen Schutzengelfest,
Und auch zu dem Dienst, den ihr heute ganz offiziell auch mit der Sendung und Beauftragung der Kirche übernehmt.
Fragen wir zuerst, was ist ein Engel und wie können wir füreinander Engel sein?
Die Schrifttexte, die wir gehört haben und die kirchliche Tradition weisen uns auf zwei Aspekte, auf zwei Grundhaltungen der Engel hin.
Der Engel ist einerseits ein Geschöpf, das mit der ganzen Existenz auf Gott ausgerichtet ist.
Die Engel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters, hat Jesus im Evangelium gesagt.
Das heißt, Engel sind bei Gott, vor Gott und ganz für Gott verfügbar.
Darum enden auch alle Engelnamen mit der Silbe »el«.
Gabriel, Raphael, Michael.
El heißt Gott, das kennen wir vom Karfreitag.
Eli, Eli, mein Gott, mein Gott, hat Jesus am Kreuz gebetet.
Also schon der Name der Engel sagt alles über ihr Wesen und ihr Sein.
Engel sind vor Gott, bei Gott und ganz verfügbar bei Gott.
Das ist das eine.
Und daraus ergibt sich eine zweite Grundhaltung der Engel.
Sie sind als Boten Gottes zugleich ganz nah bei uns Menschen, um uns zu zeigen, was gut und richtig für uns ist, um uns den Willen Gottes zu sagen.
Und was Gott mit uns und für uns will, das ist ja nie etwas Fremdes oder von außen Aufgezwungenes, sondern das ist unsere wahre Identität, die oft verschüttet und verdeckt ist.
Engel begleiten und beschützen uns auf dem Weg unserer Menschwerdung und sie helfen uns, der Mensch zu werden, den Gott in uns sieht und will.
Achte auf die Stimme des Engels, widersetze dich ihm nicht, haben wir in der Lesung gehört, und ich werde dir einen Engel schicken, der dich auf dem Weg schützt und dir vorausgeht.
Ich bin sicher, liebe Schwestern und Brüder, dass jetzt viele da sind, die von Erfahrungen oder Erlebnissen erzählen könnten und sagen, da habe ich den Schutz Gottes erlebt, da habe ich einen Schutzengel gehabt.
Mit diesen beiden Grundhaltungen der Engel sagt uns die Bibel alles, was wir über Engel wissen müssen.
Das genügt.
Sie sind ganz bei Gott.
Und zugleich ganz nah bei uns Menschen.
Und in dieser Hinsicht können Engel für uns alle, aber ich denke auch noch einmal ganz besonders für euch, die ihr heute in den Dienst gesendet werdet, Vorbilder und Helfer sein.
Und so möchte ich kurz mit euch über diese beiden Grundhaltungen der Engel nachdenken.
Bei unserer ersten Begegnung vor zwei Wochen, wo ich euch ein wenig kennenlernen durfte, habe ich es euch gesagt und ich wiederhole mich jetzt.
Bitte achtet auf euch.
Achtet auf euer geistliches Leben und sorgt dafür, dass euer inneres Feuer nicht erlischt.
Nur wer innerlich brennt, kann leuchten.
Ganz für Gott verfügbar sein, immer bei ihm sein, so wie die Engel, das schaffen wir nicht.
Aber immer wieder und immer mehr in der Stille, beim Lesen der Heiligen Schrift, im Gebet, in der Feier der Eucharistie, bei Gott eintauchen und zur Ruhe kommen, das können wir sehr wohl.
Schöpft aus spirituellen Quellen,
Holt euch in der Nähe Gottes Kraft und Freude für euren Dienst und immer wieder auch seine Zusage.
Du bist geliebt, du bist begleitet und gesendet.
Denn nur dann, und jetzt komme ich zur zweiten Grundhaltung der Engel, nur dann könnt ihr auch für andere Menschen gute Begleiter, Seelsorgerinnen und Seelsorger sein.
Ihr seid Gottes Botinnen und Boten, so wie die Engel.
Wenn ihr Jugendliche oder Studierende begleitet und ermutigt, wenn ihr Kranken und Sterbenden beisteht, wenn ihr Trauernde tröstet und stärkt,
wenn ihr mit den Menschen in unseren Pfarrgemeinden unterwegs seid und sie auch zum Aufbruch und Neubeginn ermutigt, wenn ihr die Freuden und Sorgen mit den Menschen teilt, ihnen den Horizont des Glaubens eröffnet und in ihnen die Sehnsucht nach Gott weckt.
Je mehr ihr bei Gott seid und von ihm begleitet werdet, umso mehr wird es euch gelingen, für andere da zu sein und sie gut zu begleiten, wie ein Engel.
Aber neben diesen beiden Grundhaltungen der Engel gibt uns das Evangelium auch noch einen Hinweis für euren Dienst.
Jesus stellt ein Kind in die Mitte und sagt, kehrt um und werdet wie die Kinder.
Damit, liebe Schwestern und Brüder, ist natürlich nicht gemeint, dass wir kindisch oder unselbstständig werden.
Ich habe euch bei unserer Begegnung als beeindruckende, begabte, motivierte und auch sehr spirituelle Menschen kennengelernt.
Und ich bin wirklich froh und sehr dankbar, dass es euch in der Kirche gibt und dass ihr euch in den Dienst der Kirche stellt.
Ihr habt Talente und Charismen, Ideen und Visionen.
Ihr bringt so vieles mit.
Wirklich fruchtbar für das Reich Gottes wird es dann, wenn das Kind in euch lebendig bleibt.
Denn das Kind in uns ist der Mystiker in uns.
Davon bin ich fest überzeugt.
Damit meine ich die Fähigkeit des Kindes zu staunen und ganz im Augenblick voll da zu sein.
mit Neugier auf das Leben und mit Interesse auf die Menschen schauen, mit offenen Herzen und mit der Bereitschaft, sich von Gott helfen und leiten zu lassen und ihm blind zu vertrauen.
Das meint das innere Kind.
Die Grundhaltungen der Engel und die Umkehr zum Kindsein sind also Wegweiser für euren Dienst und lassen sich zusammenfassen in einem Wort.
Mystik.
Mystiker sind Menschen, die sich nach dem Vorbild der Engel fest und tief in Gott einwurzeln und in ihn eintauchen und dabei die Erfahrung machen, wenn ich bei Gott eintauche, tauche ich neben meiner Schwester und meinem Bruder wieder auf, um für ihn Begleiter, Helferin und Engel zu sein.
Liebe Schwestern und Brüder, wir brauchen in der Kirche, wir brauchen in der Pastoral keine Kirchenfunktionäre und wir brauchen auch keine Beamten, die Dienst nach Vorschrift machen.
Wir brauchen Mystikerinnen und Mystiker in dem Sinn, den ich versucht habe zu skizzieren.
Neun Frauen und drei Männer lassen sich heute als Seelsorgerinnen und Seelsorger senden.
Im Vertrauen, wir sind begleitet auf allen Wegen und mit dem Auftrag, begleitet Menschen auf ihrem Lebens- und Glaubensweg.
Danke, dass es euch gibt.
Danke, dass ihr euch in den Dienst der Erzdiözese Wien stellt.
Gottes Segen begleite euch.