Predigten Josef Grünwidl
Predigt beim Festgottesdienst mit den 60 jährigen und goldenen Priesterjubilaren der Erzdiözese Wien (27. Mai 2025)
27. Mai 2025, 12:00 Uhr
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Jubilare, liebe Mitarbeiterinnen in der Priesterbegleitung, 48 Priester unserer Erzdiözese Wien feiern in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum, ein hohes Jubiläum.
Die silbernen Priesterjubiläen haben wir schon vor einigen Wochen gefeiert.
Die Priester, die heute da sind, sind seit 50, 60, 65 oder 70 Jahren und noch länger im priesterlichen Dienst.
Das Goldene, das Diamantene.
Das Eiserne und das Platinjubiläum, das wird heute gefeiert.
Und ich nehme an, ihr werdet alle auch noch mit euren Gemeinden oder Ordensgemeinschaften oder mit euren Familien und Verwandten privat feiern.
Aber das hier ist heute die große Dankfeier, auch der Erzdiözese Wien.
Diese Metalle, Gold.
Und Diamanten, diese Edelsteine, Platin, das sind äußerst kostbare, seltene und zum Teil auch sehr harte, unzerstörbare Stoffe.
Und sie drücken aus, wie wir euch sehen.
Ihr seid Schätze, Schätze der Kirche.
Wir danken heute für euren priesterlichen Dienst, dass ihr euer Weihversprechen gehalten habt.
und jahrzehntelang im Dienst der Kirche, im Dienst des Evangeliums für die Menschen als Priester tätig ward.
Ich bitte einmal um einen Applaus für alle Jubiläen.
Für dieses Jubiläum ist mir ein Buch in die Hände gefallen, das der berühmte Moraltheologe Bernhard Hering vor 30 Jahren geschrieben hat.
Es trägt den Titel Heute Priester sein.
Und ich traue mir, diese Gedanken jetzt zu bringen, weil sie nicht von mir sind, sondern von Professor Hering.
Er vergleicht die Kirche mit der Arche Noah.
Und die Priester mit den Tieren in der Arche.
Der Herrgott hat einen großen Tiergarten.
Professor Hering meint zum Beispiel humorvoll, unter den Priestern gibt es den Gockel mit seinen farbenprächtigen Federn, die vielleicht sogar schon violett schimmern und der seine Weisheit in die Welt hinausgrät.
Ein ganz anderer Priestertyp ist laut Professor Hering das scheue Reh.
Der Priester, der eher ängstlich und sehr zurückhaltend ist.
Der sich mit Freiheit und Weite schwer tut und sich zurückzieht.
Unter den Priestern gibt es auch Wachhunde, die mit erhobenem Zeigefinger predigen und die Menschen anbellen.
Es gibt hier und da auch ein Faultier.
das ganz hoch oben im Ast hängt und hinunterschaut, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich anstrengen und abrackern.
Aber ich denke, alle diese Tiere sind hier nicht versammelt, sondern wenn ich euch sehe, Jubilare, dann denke ich eher an ein Zugpferd, das sich einspannen lässt, auch von der Gemeinde, das nach vorne geht und viele mitzieht und begeistert.
Oder ich denke auch an den Esel, dieses geduldige Lasttier, dem die Menschen ihre Sorgen und Probleme und Nöte aufladen und der vieles mitträgt und tragen hilft.
Und ich denke auch an den treuen Hirtenhund, der Christus, den guten Hirten, unterstützt und mit ihm zusammenarbeitet.
Aber ausgehend vom heutigen Evangelium möchte ich noch auf ein anderes Tier hinweisen.
In diesen Tagen vor Christi Himmelfahrt hören wir ja immer wieder aus den Abschiedsreden, dass Jesus den Jüngern und auch uns seiner Kirche sagt, es ist gut, dass ich weggehe, es ist gut, dass ich zum Vater heimgehe, denn nur dann kann ich euch den Beistand, den Tröster und den Helfer schenken, den Heiligen Geist.
Die Taube ist das Symbol des Heiligen Geistes, um den wir in diesen Tagen vor Pfingsten in besonderer Weise bitten.
Und ich habe den Eindruck, die Taube ist auch ein gutes Symboltier für uns Priester.
Warum?
Zunächst einmal, weil Jesus selbst gesagt hat, seid arglos wie die Tauben.
Aber dann auch im Blick auf Aufgaben, die der Taube übertragen werden.
Nehmen wir zum Beispiel die Brieftaube.
Sie überbringt Botschaften und sie steht für gute Kommunikation.
Zu ihrem Wesen gehört es, dauernd unterwegs zu sein und nicht im Taubenschlag sitzen zu bleiben.
Der Priester als Brieftaube.
Liebe Jubilare, jahrzehntelang habt ihr die Botschaft, die gute Botschaft, das Evangelium verkündet, erklärt, mit dem Leben der Menschen in Beziehung gebracht und auch vorgelebt.
In der Pfarre, im Religionsunterricht, an der Universität, in ordensinternen Aufgaben, in der kategorialen Seelsorge, in den vielen Bereichen des Lebens.
der Priester als Brieftaube.
Als Priester habt ihr sicher auch immer wieder die Aufgabe der Friedenstaube übernommen.
Ihr habt vermittelt, Streit geschlichtet, auf Gemeinschaft geschaut.
Alle, die einen Dienst der Leitung hatten, wissen, wie mühsam es sein kann, auch den Dienst der Einheit auszuüben und die Gemeinschaft zusammenzuhalten.
Aber der entscheidende Punkt, warum ich den Priester auch mit der Taube in Verbindung bringe, als Priester seid ihr, sind wir, wir versuchen es, Menschen, die sich vom Heiligen Geist leiten lassen.
Menschen, die ein geistliches Leben führen und es pflegen.
Ihr seid mir im priesterlichen Dienst schon um viele Jahre voraus, bei mir sind es erst 37 Jahre.
Ich denke, ihr seid im Laufe der Jahrzehnte sicher immer tiefer hineingewachsen in den Glauben, in das Vertrauen zu Gott.
Das meint ja ein Mystigersein, verwurzelt sein in Gott, im Auf und Ab des Lebens und auch des priesterlichen Dienstes.
Die meisten von euch wurden 1965 geweiht.
und feiern heuer das Diamantene Priesterjubiläum.
Vor 60 Jahren ging das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende.
Die anderen Jubilare wurden vor oder knapp nach dem Konzil geweiht.
Das war eure Generation.
Ihr habt diesen Umbruch und auch diesen Aufbruch in der Kirche miterlebt und auch mit gestaltet.
Jetzt seht ihr, dass vieles von dieser Begeisterung und vom Schwung des Konzils gebremst wurde, dass sich die religiöse Landschaft nicht nur in Österreich, sondern weltweit schnell ändert, dass auch die Kirchengestalt zerbröselt und sich wandelt.
Ich wünsche euch, dass das heurige Priesterjubiläum für euch ein Anlass ist, dankbar
Und auch versöhnt zurückzuschauen auf die Jahrzehnte eures Dienstes.
Ohne Bitterkeit und ohne Frust.
Und dass ihr zugleich auch voller Hoffnung nach vorne schaut.
Auf euren persönlichen Lebensweg, auch mit manchen gesundheitlichen Einschränkungen.
Und auch auf den Weg der Kirche.
Im festen Vertrauen.
Gott geht mit.
Er sorgt für uns.
Ich danke euch für euren priesterlichen Dienst.
Ich danke denen, die noch aktiv im Dienst sind im hohen Alter und auch denen, die auch weit über die Pensionsgrenze hinaus noch mithelfen und die Last der Seelsorge und Pastoral mittragen und damit auch in vielen Gemeinden noch diese Grundversorgung ermöglichen.
Und ich schließe mit einem bekannten Gebet.
Das Gebet eines Priesters.
Herr Jesus Christus, ich weiß, dass es nicht wichtig ist, ob ich ankomme, ob ich gelobt werde, Erfolg und Anerkennung habe.
Ich weiß, nur eines ist wichtig, dass ich dir nicht im Weg stehe, dass ich dein Werkzeug bin, dass ich die Menschen nicht zu mir, sondern zu dir führe.
Herr Jesus Christus, bewahre mich vor dem Wahn, ich selbst müsste die Welt retten.
Lass mich nie vergessen, dass du sie schon gerettet hast und dass ich nicht am Ende bin, wenn meine Kräfte mir den Dienst versagen.
Ich bin das Fenster, du bist das Licht.
Du kannst dich durch mich hindurch tun, was ich nicht kann.
Du fädelst dich ein in diese Welt, durch mich armseliges Nadelöhr hindurch.
Das macht mir Mut zu der Vollmacht, die du in mich, in meine Schwäche und Armseligkeit gelegt hast.
Ja, Herr, du in mir.
So froh, so unverkrampft und echt wird mein Leben, wenn ich mich entschieden habe zu du in mir.



