Predigten Josef Grünwidl
Predigt beim Festgottesdienst mit den Goldenen, Diamantenen und Eisernen Priesterjubilaren der Erzdiözese Wien (19. Mai 2026)
19. Mai 2026, 12:00 Uhr
Liebe Priesterjubilare, liebes Team der Priesterbegleitung, liebe Schwestern und Brüder, ich bitte um Verständnis, dass ich heute eine kurze Ansprache von hier aus mache, damit ich die Priesterjubilare auch gut im Blick habe.
Wenn ein Priester auf 50, 60, 65, 70 oder sogar 75 Jahre seines priesterlichen Dienstes zurückschauen kann, dann stelle ich mir vor - ich bin ja noch nicht so weit, noch nicht ganz so weit - dass die Bilanz gemischt ausfällt.
Freude und Leid, viele Erfolge, viele schöne Erlebnisse und Erfahrungen, aber auch manche Enttäuschungen, manches Schwere.
Aber auf jeden Fall, auch wenn die Bilanz gemischt ausschaut, so ein Priesterjubiläum ist immer ein Grund, um dankbar zu sein, um Gott zu danken, um den Priestern zu danken und um auch den Menschen dankbar zu sein.
Lesung und Evangelium des heutigen Tages haben für mich auch etwas zu tun mit einem Rückblick auf eine Sendung, auf einen Auftrag, eine Art Lebensbilanz.
In der Lesung haben wir gehört, Paulus nimmt Abschied von seiner Gemeinde in Milet und sagt, ihr wisst, wie ich mich vom ersten Tag an immer in eurer Mitte bewegt habe, wie ich dem Herrn diente in aller Demut.
Ich habe euch das Wort Gottes verkündet.
Eine Art Rechenschaftsbericht, die Paulus hier ablegt.
Und Jesus schaut in der Tradition des Johannesevangeliums auch beim letzten Abendmahl in der Stunde des Abschieds von seinen Jüngern auf sein Leben und auf seine Sendung zurück und spricht ein großes, das sogenannte hohe priesterliche Gebet an.
Auch das kommt mir fast vor wie eine Bilanz über seine Sendung.
Und ich möchte für euch, liebe Jubilare, drei Gedanken aus dem heutigen Evangelium herausgreifen.
Vater, ich habe deinen Namen den Menschen geoffenbart, sagt Jesus in diesem Gebet.
Das heißt, Jesus hat den Menschen das Wesen Gottes verkündet.
Der Name in der Bibel hat ja immer etwas mit der Identität des Menschen zu tun.
Der Gottesname Jahwe heißt übersetzt, ich bin, der ich bin.
Ich bin da.
Martin Buber übersetzt den Gottesnamen so, ich bin dort, wo du bist.
Das heißt, Gott ist immer bei uns.
Jesus hat uns Menschen den Namen, das Wesen Gottes geoffenbart.
Es ist ein menschenfreundlicher, menschennaher Gott, der uns liebt, der uns nachgeht, der uns die Treue hält.
Liebe Jubilare, ich bin sicher, das habt ihr auch getan als Priester.
Den Menschen den Namen Gottes verkünden.
In der Pfarre, in der Schule, an der Universität, in den verschiedensten Bereichen eurer Tätigkeiten, als Seelsorger, als Priester.
Durch Wort und Tat und vor allem durch euer Leben habt ihr den Menschen Gott verkündet und nahegebracht.
Ein zweiter Punkt aus diesem Gebet Jesu.
Vater, ich will, dass sie meine Freude in Fülle in sich haben.
Jesus hat also Gott so verkündet, dass die Menschen gespürt haben, ein Leben mit Gott, ein Leben aus dem Glauben macht froh und frei.
Jesus wollte die Menschen von unnötigen, übertriebenen Sorgen und Lasten befreien, sie vor Verzweiflung und Trauer bewahren.
Und ich bin sicher, auch da gibt es bei euch viele Erinnerungen.
wenn ihr zurückdenkt an die vergangenen Jahre und Jahrzehnte, Begegnungen, Erlebnisse.
Wie oft habt ihr Kranke besucht und aufgerichtet, Sterbende begleitet und ihnen vielleicht auch die Angst vor dem Tod nehmen können.
Wie oft habt ihr mühselige und beladene Menschen aufgerichtet, ihnen die Vergebung Gottes zugesprochen und natürlich auch schöne, frohe Feste gefeiert.
Die Freude am Glauben, die Freude am Kirche sein, habt ihr gelebt und den Menschen weitergegeben.
Und ein dritter Punkt aus dem Gebet und aus der Art Lebensbilanz Jesu, der ist mir besonders wichtig.
Jesus betet, Vater, ich bitte dich für alle, die du mir gegeben hast, denn sie gehören dir.
Vater, ich bitte dich für alle, die du mir gegeben hast.
Ich danke für euer Gebet.
Ich kann mir vorstellen, dass einige von euch und besonders auch die, die heute durch Krankheit oder Gebrechlichkeit verhindert sind und nicht mit uns hier im Dom feiern können, dass ihr euch manchmal denkt, was kann ich noch tun?
Ich bin schon so lange im Ruhestand.
Viele helfen noch aus, aber manche spüren auch schon Gebrechen und Schwäche.
Was kann ich noch tun?
Ich muss da immer an Weihbischof Krätzl denken, der in seiner letzten Lebensphase zu mir oft gesagt hat, ich kann nichts mehr für die Kirche tun, nur beten.
Und das ist ein wichtiger Dienst.
Wir Priester beten bei jeder Messe und im Stundengebet immer für die Kirche, für die Welt, für die Not der Menschen.
Ich danke für euer Gebet.
Das ist eine Kraftquelle, die ganz wesentlich ist für das Leben der Kirche.
Und durch euer Gebet könnt ihr weiterhin segensreich wirken für unsere Erzdiözese und für die Menschen.
Und dann das tröstliche und auch entlastende Wort, Vater, sie, die Menschen, gehören dir.
Die Menschen gehören nicht uns.
Und wir Priester führen Menschen nicht zu uns, sondern zu Gott und zum Glauben an Jesus Christus.
Das entlastet, das heißt natürlich nicht, dass es ganz egal ist, ob ich mich als Priester bemühe oder nicht.
Und wir setzen uns ein nach besten Kräften, aber doch auch immer in dem Wissen, die Menschen,
Die Kirche, das gehört nicht uns, sondern es gehört Gott.
Er sorgt für sein Volk.
Und auch dort, wo ich als Priester oder als Bischof versage und an meine Grenzen komme, hat Gott noch Möglichkeit, weiterzuwirken.
Die Menschen gehören ihm.
Ein Priesterjubiläum ist Anlass, um dankbar zurückzuschauen, um für euch, liebe Brüder, zu danken und auch ein Grund, um nach vorne zu schauen.
Paulus sagt es in seiner Abschiedsrede, er lässt sich führen vom Geist Gottes.
Er weiß nicht, was noch auf ihn wartet, aber er vertraut darauf, alles wird gut.
Diese Zuversicht und Hoffnung wünsche ich euch, liebe Priesterjubilare, und diese Zuversicht erbitten wir für uns alle, liebe Schwestern und Brüder.
Gehen auch wir unseren Weg im Vertrauen, dass Jesus für uns bittet und betet und eintritt, dass er uns den Heiligen Geist als Beistand und Helfer mitgibt auf unseren Weg,
Und dass wir immer spüren und daran glauben können, wir gehören Gott und er verliert seine Kinder nicht.



