Predigten Josef Grünwidl
Predigt zu Maria Empfängnis (8. Dezember 2025).
8. Dezember 2025, 10:15 Uhr
Liebe Schwestern und Brüder hier im Dom und über ORF3 und Radioklassik Stephansdom mit uns verbunden.
Das heutige Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria ist theologisch herausfordernd und viele Menschen tun sich schwer damit.
Ich lade ein, dass wir uns in drei Schritten dem Festgeheimnis des 8.
Dezembers annähern.
Ein erster Schritt.
Heute, vor 60 Jahren, am 8.
Dezember 1965, hat Papst Paul VI.
am Vorplatz zum Petersdom in Rom das Zweite Vatikanische Konzil feierlich beendet, an einem Marienfeiertag.
Eröffnet wurde es am 11.
Oktober 1962.
Im damaligen Heiligenkalender war das der Gedenktag der Mutterschaft Mariens.
Man kann also sagen, das Zweite Vatikanische Konzil hat kalendarisch gesehen einen marianischen Rahmen.
Anfang und Beginn zwei Marienfeste.
Aber nicht nur das.
Maria, die auf ihren Sohn, die auf Gott hört und den Willen Gottes tut, die Mutter, die die Menschen auf Christus, auf Jesus, ihren Sohn hinweist, Maria im Gebet mit den Aposteln versammelt, immer wieder hat das Konzil in Maria, im Blick auf Maria, das Wesen, den Auftrag und die Sendung der Kirche erkannt.
Und es ist auch kein Zufall, dass hier im Stephansdom
rund 90 Marienbilder und Marienstatuen zu sehen sind.
Denn Maria und die Kirche gehören untrennbar zusammen.
Alle Marienfeste sind Hoffnungsfeste für die ganze Kirche.
Denn im Blick auf Maria erkennen wir das Urbild der Kirche und auch die Kirche in ihrer Vollendung.
Die reine Braut Christi, heilig, makellos, untadelig.
Ein zweiter Schritt der Annäherung hat mit dem Österreichbezug des heutigen Marienfeiertags zu tun.
Und dieser Bezug reicht zurück bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges.
Nachdem Wien damals von den schwedischen Truppen von Zerstörung und Fremdherrschaft verschont geblieben ist, hat Kaiser Ferdinand III.
Maria zur Schutzfrau Österreichs erhoben und schon damals, 1647, den 8.
Dezember zum Marienfeiertag in allen österreichischen Landen erklärt.
So ist es in Österreich geblieben bis zur Zeit des Nationalsozialismus, da wurde dieser Feiertag abgeschafft.
Aber im Jahr 1955, als Österreich wieder die staatliche Souveränität erlangt hat und auch aufgrund einer bislang größten Volksinitiative der Zweiten Republik,
wurde in Österreich der 8.
Dezember wieder als gesetzlicher Feiertag eingeführt.
Ein Feiertag als Dank für unsere Freiheit.
Und damit komme ich zum dritten Schritt.
Der 8.
Dezember ist nicht nur ein Hoffnungsfest für die ganze Kirche und auch nicht bloß ein Freiheitsfest mit Österreichbezug.
Maria Empfängnis hat vor allem mit uns geholfen.
mit unserer Erwählung und mit unserer Taufe zu tun.
Seit Adam und Eva, also von Anfang an, so erzählt es die Bibel, gab es in Menschen einen Hang zum Bösen.
Das Auseinanderdriften von Schöpfer und Geschöpf, dieses vergiftete Klima, das von einem Misstrauen des Menschen Gott gegenüber geprägt war, dieses vergiftete Klima konnte fatale Folgen haben und zu Strukturen der Sünde führen.
Streit und Hass, Gewalt, Krieg, Ungerechtigkeit und Gottvergessenheit.
Dieses Misstrauen des Geschöpfs dem Schöpfer gegenüber, das ist die Erbsünde, die Urschuld des Menschen.
Und in irgendeiner Form, liebe Schwestern und Brüder, kennen wir das alle.
Wir wollen immer das Gute und tun trotzdem manchmal Böses.
Die Kirche sagt, dass Gott Maria von dieser Beziehungsstörung, aus diesem vergifteten Klima, von Anfang an, von Beginn ihrer Existenz, von ihrer Empfängnis an herausgenommen und befreit hat, im Blick darauf, dass sie die Mutter des Erlösers werden soll.
Den Hang zum Bösen, das Misstrauen Gott gegenüber befreit.
hat Maria nicht gekannt.
So wurde sie die neue Eva.
Mit ihr hat Gott neu angefangen.
Das Fest der Erwählung Mariens erinnert uns an unsere Taufe und an unsere Erwählung.
Befreiung vom Bösen und Neubeginn statt alter Trott, Vertrauen statt Misstrauen.
Was Maria ausgezeichnet hat, das soll auch in unserem Leben, im Leben der Getauften sichtbar werden.
Das Wort Credo.
kann uns dabei helfen.
Wir werden dieses Wort jetzt gleich unzählige Male hören, oft viermal hintereinander, zweimal laut, kräftig überzeugt und dann wie ein leises Echo, fragend, zweifelnd.
Ich sehe in diesen Credorufen, die der großen Credomesse von Mozart ihren Namen gegeben haben, nicht bloß ein Gliederungsmotiv für den langen Text des Glaubensbekenntnisses.
Für mich bedeuten diese lauten und leisen Credorufe auch, vielleicht kann ich nicht jedes Wort aus dem Glaubensbekenntnis mit voller Überzeugung
Doch das entscheidende Wort in meinem Leben soll laut oder leise immer Credo heißen.
Gott, ich glaube dir, ich vertraue auf dich.
Credere, glauben, kommt von Chordare, das Herz geben.
Liebe Schwestern und Brüder, wir feiern heute das Hochfest der Erwählung Mariens.
Wir feiern die Weihnachtsvorbereitungen Gottes und wir werden mit dem Wort Credo an unsere eigenen Weihnachtsvorbereitungen erinnert.
Aus meinem Herzen das Misstrauen gegenüber Gott verbannen, dem Bösen und der Dunkelheit in mir keinen Raum geben.
Mich für Gott, für sein Licht und sein Wort öffnen, das möchte ich von Maria lernen.
Weihnachten wird es in uns, wenn wir mit Maria sagen, Credo, Gott, ich vertraue dir, ich öffne und schenke dir mein Herz.



