Predigten Josef Grünwidl
Predigt zum Hochfest Petrus und Paulus (29. Juni 2025)
29. Juni 2025, 10:15 Uhr
Exzellent, liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, liebe Schwestern und Brüder.
Beim Aufgang zum Petersdom hat Papst Pius IX.
im 19.
Jahrhundert zwei machtvolle Statuen der Apostel Petrus und Paulus aufstellen lassen.
Beide sind leicht erkennbar.
Petrus hält in der Hand die Schlüssel
die Schlüssel des Himmelreichs und Paulus sein großes Schwert.
Ohne diese beiden Apostelfürsten, wie sie genannt werden, so unterschiedlich diese beiden Männer auch waren, aber ohne diese beiden gäbe es kein Christentum als Weltreligion, so wie wir das Christentum heute kennen und erleben.
Was können wir, was kann die Kirche tun,
von Petrus und Paulus lernen.
Schauen wir zunächst auf Petrus.
Nicht, weil dieser Fischer mit Namen Simon Barjona ein so toller Mensch gewesen wäre, charakterlich gefestigt und vorbildlich in jeder Hinsicht, hat Jesus ihm den Namen der Fels, auf Lateinisch Petrus, gegeben.
Denn nicht der Mensch, Simon Bajona, nicht sein Fleisch und Blut, wie es im Evangelium geheißen hat, sondern sein von Gott gewirktes, geschenktes Bekenntnis.
Du, Jesus, bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
Das ist der Felsen, auf dem Christus seine Kirche erbaut hat, auf dieses Bekenntnis.
Und aufgrund dieses Bekenntnisses hat Petrus die Schlüssel des Himmelreiches erhalten.
Die christliche Überlieferung hat sich seit jeher für die Schlüssel des Himmelreichs interessiert und nennt uns zwei Schlüssel, einen silbernen und einen goldenen.
Was ist damit gemeint?
Der silberne Schlüssel steht für den Glauben.
Petrus soll den Menschen Wege eröffnen, den Zugang aufschließen zum Glauben an Christus.
Das ist bis heute Grundauftrag der Kirche.
Und von Petrus an seinen Nachfolger fast über 2000 Jahre bis zum 8.
Mai dieses Jahres zurück.
Als Papst Leo die Aufgabe des Petrusdienstes übernommen hat, wird dieser silberne Schlüssel sozusagen symbolisch weitergereicht.
Grundauftrag der Kirche, Grundauftrag des Papstes, Türen aufschließen, Türen der Herzen, Wege des Glaubens eröffnen, damit Menschen zu Christus finden und das Evangelium hören.
Was der zweite goldene Schlüssel neben dem silbernen, der für den Glauben steht, bedeutet, ist dann nicht mehr schwer zu erraten.
Der goldene Schlüssel steht für die Liebe.
Noch vor dem Gebot, das in unserem Glauben so wichtig ist, du sollst lieben, steht die Zusage Gottes, Mensch, du bist geliebt.
Du bist geliebt, ohne Vorleistungen und Verdienste.
In Liebe die Tür zu Gott, zur Schwester und zum Bruder öffnen, das Gebot der Liebe, das Zentrum und Herzstück unseres Glaubens verkünden und vorleben, gehört auch zum Petrusdienst und ist der zweite große Grundauftrag, der mit diesem Schlüssel verbunden ist.
Als Türöffner der Liebe, als ein Bote der Versöhnung und des Friedens hat Papst Leo sich am Abend des 8.
Mai auf der Lodger des Petersdoms präsentiert.
Mit einer Friedensbotschaft hat er sich am ersten Tag
Seines Amtes als Papst an die Welt gewendet.
Zu den wichtigsten Aufgaben jedes Papstes gehört es, im Geist der Liebe diese bunte, vielfältige katholische Kirche zusammenzuhalten.
die Einheit im Glauben zu bewahren.
Wo es Streit und Spaltung gibt, wo Feindschaft, Hass und Kriege wüten, da soll der Papst mit dem Schlüssel der Liebe Türen aufmachen, die von anderen zugeschlagen oder versperrt wurden, damit Menschen wieder zueinander finden, ins Gespräch kommen, dass Versöhnung und Friede möglich werden.
Nach dem silbernen und goldenen Schlüssel in der Hand des Petrus schauen wir nun auch noch auf das Schwert des Paulus.
Wenn jemand zum Petersdom in Rom hinaufgeht über die Stufen und sich überhaupt nicht auskennt mit Christentum und unseren Heiligen, könnte man meinen, hier steht ein gewaltiger, mächtiger Feldherr und Krieger mit einem Schwert in der Hand.
Wir wissen es alle, das Schwert des Paulus weist hin auf die Art seines Martyriums.
Paulus war römischer Bürger.
Er durfte nicht so wie Petrus gekreuzigt werden.
Kreuzigung, ein schändlicher, ehrloser Tod.
Römische Bürger durften nur mit dem Schwert hingerichtet werden.
Auch grausam, aber damals galt das mit dem Schwert enthauptet zu werden als ehrenhafte Hinrichtungsart.
Wenn man genauer hinschaut, sieht man aber, das Schwert in der Hand des Paulus sagt nicht nur etwas über die letzten Augenblicke seines irdischen Lebens und über die Art seiner Hinrichtung, sondern auch über sein Leben.
Ich habe den guten Kampf gekämpft, kann Paulus rückblickend auf seinen Weg sagen.
Temperamentvoll und rastlos, voll verausgabt hat er sich für die Verkündigung des Evangeliums.
Und es heißt im Hebräerbrief auch, das Wort Gottes ist kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert.
So hat Paulus die Botschaft von Christus verkündet.
Kraftvoll.
Und er hat die Menschen zu einer Entscheidung aufgerufen.
Das Wort Gottes taugt nicht zum Süßholzraspeln.
Im Gegenteil.
Wie ein scharfes Schwert schneidet es tiefe Furchen in die Felder unserer schlechten Gewohnheiten und es reißt uns heraus aus unserer Mittelmäßigkeit.
Dieses Schwert hat Paulus meisterhaft geführt und er mahnt uns in der Spur Jesu zu gehen und als Getaufte nicht irgendwie halbherzig, lauwarm als katholische Schlaftabletten zu leben, sondern hellwach und begeistert, glaubwürdig, konsequent und mutig.
Die riesigen Statuen des Petrus und Paulus vor dem Petersdom erinnern an die Apostelfürsten, an die Baumeister unserer Kirche.
Zu dieser Kirche gehören wir aufgrund der Taufe auch schon alle.
Die Kirche bewahrt also mit Petrus das Überlieferte, die Tradition des Glaubens im Bekenntnis »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes«.
Und die Kirche soll gleichzeitig auch mutig mit Paulus neue Wege gehen, neue Worte suchen, um den Menschen heute das Evangelium, die Botschaft von Christus nahe zu bringen.
Die Kirche sei geduldig im Hören, zurückhaltend im Urteilen.
Sie soll das Gespräch nicht abreißen lassen und mit allen gemeinsam auf dem Weg sein, synodal.
Die Kirche riecht hoffentlich nicht nach Geld und Macht, sondern nach Glaube, Hoffnung und Liebe.
Sie hat die Schlüssel des Himmelreiches und öffnet auch heute die Tür des Glaubens, damit Menschen zum Heil finden.
Und mit dem Schlüssel des Glaubens wird sogar der Tod zu einer offenen Tür, durch die Christus, der Auferstandene, uns hinüberführt, hineinführt in die ewige Osterherrlichkeit.
Liebe Schwestern und Brüder, heute am Hochfest der Apostelfürsten beten und danken wir in besonderer Weise für die Kirche und auch für unseren Papst.
Und wir denken daran, alles hat begonnen mit der Frage, die Jesus gestellt hat.
Für wen halten mich die Leute?
Und dann die entscheidende Frage an seine engsten Freunde, an die Apostel.
Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
Dieses Bekenntnis des Petrus ist der Felsen, auf dem die Kirche gebaut wird.
Zugegeben, wir alle sind nicht so wichtig wie Petrus und Paulus und wir haben in der Kirche nicht die Stellung eines Papstes oder eines Bischofs.
Aber eines haben wir doch alle gemeinsam.
Auch an dich und an mich stellt der Herr heute die Frage, die er seinen Aposteln und dem Petrus gestellt hat.
Die entscheidende Frage.
Nicht nur, was reden andere über mich, sondern wer bin ich für dich?
Für wen hältst du mich?
Eine entscheidende Frage, aber noch entscheidender wird dann die nächste Frage sein.
Wie lautet meine Antwort?



