Predigten Josef Grünwidl

Predigt zum Mitarbeitergottesdienst (7. Mai 2025)

7. Mai 2025, 16:30 Uhr

Erzdiözese Wien/Stephan Schönlaub

Liebe Schwestern und Brüder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wer wird Papst werden?
Was muss er können?
Welchen Kurs wird der neue Papst verfolgen?
Das sind Fragen, die jetzt überall gestellt werden und die viele Menschen beschäftigen.
Ich finde in den Schrifttexten des heutigen Tages dazu ein paar Impulse und Hinweise.
Ich beginne bei Diakon Stephanus, unserem Diözesanpatron, von dem in der Lesung die Rede war.
Stephanus wird in der Apostelgeschichte in leuchtenden Farben geschildert, als ein Mann voll Glauben und Gnade in der Kraft des Heiligen Geistes.
Dieser Diakon hat sich um Arme und Notleidende, um die Witwen und Waisen gekümmert und gleichzeitig auch begeisternd,
Und überzeugend die Botschaft von Jesus, dem Auferstandenen, verkündet.
Ich wünsche mir einen Papst, der das lebt, was zu seinen Ehrentiteln gehört.
Päpste bezeichnen sich ja als Diener der Diener Christi.
Der Papst ist ein Diener der Diener Christi.
Wie Diakon Stephanus sich den Armen und Notleidenden zugewendet hat, so möge auch der neue Papst den Menschen dienen, die am Rand stehen, die gern und oft übersehen werden, die keine Stimme haben.
Und zugleich möge der Papst auch ein Mann des Evangeliums sein, der wie Stephanus charismatisch auftritt,
Und die Botschaft von Christus so verkündet, dass sie neue Hoffnung schöpfen.
Die Menschen, die Trost und Hoffnung notwendig brauchen.
Im Blick auf den heiligen Stephanus finde ich noch einen zweiten Hinweis dazu.
Nach der Steinigung des Stephanus, wir haben es heute gehört, brach eine große Verfolgung über die junge Kirche in Jerusalem herein.
So gelangte die Botschaft von Christus durch die Gläubigen, die zerstreut wurden, bis nach Judäa und Samarien und dann später durch einen gewissen Saulus, der zum Paulus geworden ist, bis an die Grenzen der Erde.
Die Apostelgeschichte deutet also die Steinigung des Stephanus und die ausgebrochene Christenverfolgung im Licht der Heilsgeschichte und sagt, Gott selber sorgt dafür, dass die Botschaft des Evangeliums nicht verstummt.
Was für uns nach Katastrophe aussieht, sogar ein Martyrium, eine Christenverfolgung, das kann zum Segen für die Kirche werden.
Und wo wir den Eindruck haben, aus und vorbei kann Gott seiner Kirche ein Osterwunder schenken, neuen Aufbruch und neues Wachstum.
Ich wünsche mir einen österlichen Papst, der diese Hoffnung von Ostern, die Hoffnung von der Auferstehung in die Welt trägt, der mitten im Krieg zum Frieden ermutigt.
der zerstrittene und verfeindete Menschen zur Versöhnung einlädt und der trotz aller humanitären Katastrophen nicht aufhört, an das Gute im Menschen zu glauben und in seinem Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenwürde nicht müde wird.
Ein österlicher Papst, unabhängig von welchem Land, aus welchem Kontinent er kommen wird,
der sollte auch uns, die Kirche in Europa, nicht nur unter negativen Vorzeichen, nicht nur als Problem sehen.
Denn gerade wir in unserer herausfordernden Situation brauchen Worte der Ermutigung, brauchen eine Vision gegen die Resignation und Impulse, die uns Mut machen und neues Wachstum ermöglichen.
Der neue Papst also ein Diakon wie Stephanus, ein Diener der Diener Christi, ein österlicher Hoffnungszeuge des Evangeliums und schließlich auch ein Mann mit offenen Armen.
Das zeigt mir das Evangelium und das Jesuswort, das wir eben gehört haben.
Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.
Kein Mensch soll zugrunde gehen.
Das ist der Wille meines Vaters im Himmel, hat Jesus gesagt.
Liebe Schwestern und Brüder, ich finde es beeindruckend, in welcher Form die ganze Welt am Tod von Papst Franziskus Anteil genommen hat und wie groß auch jetzt das Interesse an der Papstwahl in Rom ist.
Für mich kommt da eine Sehnsucht der Menschen zum Ausdruck.
Dringender und notwendiger denn je braucht nicht nur unsere Kirche, sondern braucht die ganze Welt.
einen Mann, einen Papst, einen Menschen, der alle im Blick hat, der für unsere zerrissene Welt ein Garant für Frieden und Einheit, für Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ist.
Beten wir um einen Papst, der den Menschen mit offenen, weit ausgebreiteten Armen entgegenkommt, der keinen abweist, verurteilt oder ausschließt, sondern der sich nach dem Wort Jesu richtet.
Ich will, dass kein Mensch zugrunde geht.
Und zuletzt auch ein Wort an euch, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
In den vergangenen Tagen habe ich mehrmals gehört, jetzt ist auch noch der Papst gestorben.
Jetzt haben wir keinen Papst und keinen Erzbischof.
Jetzt können wir im Hochgebet für überhaupt niemanden mehr beten.
Das hat mich ein wenig nachdenklich gemacht.
Eingangs habe ich schon gesagt, sehen wir die Kirche wirklich noch vom Papst und vom Bischof aus heruntergelaufen?
Das ist nicht mein Kirchenbild.
Ich sehe die Kirche von Christus her und von der Taufe als wanderndes, pilgerndes Gottesvolk.
Natürlich gibt es in dieser Gemeinschaft dann auch Einzelne, die besondere Aufgaben und Verantwortung übernehmen müssen.
Als Papst, als Bischof, Priester, Diakon, Pastoralassistentin, hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Aber die sind nicht Selbstzweck.
sondern sie dienen dem Leben der Gemeinschaft.
Und ich bin überzeugt, so sehen auch wir uns am Stephansplatz mit den vielen Ämtern und Dienststellen und Büros, wir sind nicht für uns selber da, wir sind nicht das Herz der Erzdiözese, sondern wir dienen dem Leben in den Pfarren und in den kirchlichen Gemeinschaften.
auch wenn wir die Namen des Papstes und des Erzbischofs bei uns zurzeit nicht im Hochgebet nennen können, es gibt Gründe genug, für die Kirche zu beten und auch zu danken.
Und das ist mir heute auch ein Herzensanliegen.
Dass wir in der Zeit der Sedisvakanz eigentlich ganz gut miteinander auf dem Weg sind,
Das ermöglicht ihr alle und auch die vielen, vielen Frauen und Männer, die Jugendlichen und die Kinder in unseren Pfarrgemeinden, die mittun und mithelfen und Verantwortung übernehmen.
Die Kirche in unserer Erzdiözese und auch die Kirche in unserem Land ist besser als ihr Ruf.
Da bin ich mir sicher.
Liebe Schwestern und Brüder, wenn sich beim Konclave in Rom der Heilige Geist durchsetzt, das hoffen wir und dafür beten wir, dann wird der neue Papst ein diakonaler Mensch sein, ein Diener der Diener Christi.
Er wird ein österlicher Hoffnungsbote sein und zugleich auch ein Pontifex Maximus, ein unermüdlicher Brückenbauer, der mit weit ausgebreiteten Armen für alle Menschen betet, auf sie zugeht, eine Hoffnungsgestalt für unsere Welt.
Und was wir da vom neuen Papst erwarten und uns erhoffen, das hat auch mit uns und mit unserer Berufung durch die Taufe zu tun.
Einander dienen, österlich leben und Brücken bauen, dialogfähig und versöhnungsbereit sein.
Dass wir in diesen Tagen darum beten, der Heilige Geist möge sich beim Konklave durchsetzen, das ist gut und wichtig.
Ich frage mich aber auch, was könnte nicht alles geschehen, wenn sich der Heilige Geist in unserem Leben durchsetzt?