Predigten Josef Grünwidl

Predigt zur Ökumenischen Vesper (26. April 2025)

26. April 2025, 16:30 Uhr

Erzdiözese Wien / Stephan Schönlaub

Ich halte dafür, dass alles Verlust ist, weil die Erkenntnis Christi Jesu meines Herrn alles überragt.
Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung.
Liebe Schwestern und Brüder in Christus, es ist gut und richtig, dass wir heute hier in ökumenischer Verbundenheit diese Ostervespa gemeinsam feiern.
Damit wird sichtbar, in allen christlichen Kirchen und Gemeinschaften ist der Glaube an den auferstandenen Herrn Jesus Christus das Herzstück und Zentrum.
Wir alle wurden auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft.
Wir alle sind mit Christus, dem Auferstandenen, verbunden.
Papst Franziskus soll heute an seinem Begräbnistag in dieser Ostervespa auch zu Wort kommen.
Ökumene und interreligiöser Dialog gehörten ja zu seinen Herzensanliegen.
Franziskus hat einmal die folgenden Bemerkungen als ökumenische Dreifaltigkeitsformel bezeichnet und er meint, zu dieser Dreifaltigkeitsformel der Ökumene gehören
Miteinander gehen, miteinander beten und miteinander arbeiten.
Dazu einige Gedanken.
Miteinander gehen.
Das heurige gemeinsame Osterfest ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, den wir miteinander in Richtung Einheit gehen.
Ausgerechnet im Jubiläumsjahr, 1700 Jahre nach dem ersten ökumenischen Konzil in Nicäa, feiern Ost- und Westkirche gemeinsam Ostern.
Nur ein mathematischer Zufall der unterschiedlichen Terminberechnungsmethoden?
Oder vielleicht doch auch ein Fingerzeig von oben?
Wir können mit Paulus sagen, wir sind noch nicht am Ziel, aber wir schauen nicht zurück, sondern wir streben nach vorne, das gemeinsame Ziel vor Augen.
Gelegentlich, liebe Schwestern und Brüder, ist zu hören, die ökumenische Bewegung sei in die Jahre gekommen und etwas müde geworden.
Ich danke allen, die nicht müde werden auf diesem Weg zur Einheit.
Ich danke allen, die im Gebet diesen Prozess begleiten und mutige Schritte aufeinander zu wagen.
Und ich denke, gerade auch wir in Österreich und in Wien haben Grund zu danken.
Wir dürfen zurückschauen auf eine lange, gute, gemeinsame Tradition in der Ökumene.
Wir wissen, dass ein gemeinsames Osterfest noch nicht das Ziel unseres Weges sein kann.
Denn ein gemeinsamer Festtag ist noch nicht die volle Kircheneinheit.
Doch wenn Ost- und Westkirche künftig gemeinsam Ostern feiern könnten, dann wäre das Fest der Auferstehung des Herrn noch deutlicher als bisher ein Zeichen unserer Einheit.
Und vielleicht noch mehr als bisher ein hoffnungsvoller Impuls für Versöhnung und Frieden in der Welt.
Miteinander gehen.
Dass die gesamte Christenheit sich auf einen gemeinsamen Ostertermin einigt und künftig das Fest der Auferstehung des Herrn gemeinsam feiern kann, das wäre ein wichtiger und mutiger Schritt auf dem Weg, den wir miteinander gehen.
Miteinander beten, so lautet der zweite ökumenische Impuls von Papst Franziskus.
Die heutige Ostervespa schenkt uns eine leichte Ahnung vom Reichtum des konfessionell geprägten Glaubens- und Gebetslebens.
Diese Vielfalt im Feiern, im Beten und Singen ist ein großer Schatz und eine Bereicherung.
Wir können voneinander lernen und wir ergänzen einander.
Danken wir für die verschiedenen christlichen Gebetstraditionen und liturgischen Formen und machen wir uns bewusst, in dieser Verschiedenheit gehören wir zusammen.
Denn in dieser Buntheit loben wir alle miteinander den dreieinigen Gott und Jesus Christus, von dem wir gemeinsam bekennen, er ist Licht vom Licht, Gott von Gott, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen.
Dieses vor 1700 Jahren beim Ersten Konzil von Nicea formulierte Bekenntnis ist bis heute ökumenisch hoch, bedeutsam und bleibend wichtig.
Im Jahr 325 war die Kirche organisatorisch noch eins, aber eine Glaubensfrage, nämlich die Frage, wer ist Jesus Christus?
hat damals die Kirche gespalten und für Streit und Auseinandersetzungen gesorgt.
Mir kommt vor, ist es heute nicht umgekehrt?
Wir sind eins im Bekenntnis des Glaubens und im Bekenntnis zu Jesus Christus, der Gott von Gott, wahrer Gott vom wahren Gott ist, aber organisatorisch.
Das heißt, im Blick auf Traditionen und Riten, auf unsere Kirchenbilder und Ämterfragen, auf die Frage nach der Bedeutung und Stellung des Bischofs von Rom und in vielen anderen Dingen, hat sich im Laufe der Jahrhunderte manches zwischen uns gestellt, uns getrennt und vielleicht steht auch heute noch manches zwischen uns da.
Miteinander beten.
Mit dieser Einladung erinnert uns der verstorbene Papst daran, die Einheit der Kirche ist nicht in erster Linie eine organisatorische oder strukturelle Frage, sondern zuerst eine Frage des gemeinsamen Glaubensbekenntnisses und des Gebets.
Die Kircheneinheit wurzelt im gemeinsamen Bekenntnis zum dreieinigen Gott und zu Jesus Christus, dem Gottessohn.
Wir können Einheit nicht machen, verordnen oder definieren, denn unsere Schritte und Bemühungen auf dem Weg zueinander werden erst wirksam und fruchtbar durch das Gebet, das
Und durch das Wirken und das Geschenk des Heiligen Geistes.
Bei seiner ökumenischen Dreifaltigkeitsformel nannte der Papst dann als dritten Punkt miteinander arbeiten.
Der gemeinsame Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und für die Bewahrung der Schöpfung und auch die Bereitschaft zur verstärkten Zusammenarbeit in ganz konkreten, karitativen und sozialen Projekten zum Beispiel, machen uns als geeinte Christenheit glaubwürdig.
Miteinander arbeiten, einige Mühe und einige Arbeit werden wir alle wohl auch damit haben,
das Bekenntnis von Nicäa, eine theologische Formel, mit Leben zu erfüllen und dieses Christusbekenntnis ins Heute zu übersetzen.
Liebe Schwestern und Brüder, wir wissen zwar, dass die Bevölkerung in Österreich – das hat ja die letzte große Untersuchung ergeben –
sich mehrheitlich als religiös, spirituell und gläubig bezeichnet.
Das ist sehr erfreulich.
Zugleich aber wurde bei dieser Umfrage sehr deutlich, dass die Grundbotschaft des christlichen Glaubens, Gott hat sich in Jesus Christus geoffenbart, dass diese Grundbotschaft für viele Menschen keine oder kaum Bedeutung für ihren Glauben hat.
Miteinander arbeiten.
Ich sehe das Bekenntnis von Nicäa auch als Arbeitspapier und als Arbeitsauftrag für alle christlichen Kirchen.
Die Gottesfrage neu thematisieren und in der Buntheit des religiösen Angebots unserer Zeit den Gott der Bibel neu verkünden, lebensrelevant verkünden.
Das gehört zu unseren Aufgaben.
Miteinander gehen in Richtung Einheit und hoffentlich auch in Richtung eines gemeinsamen Osterfestes, miteinander beten, denn die Kircheneinheit ist keine organisatorische Frage, sondern eine Frucht des Gebets und ein Geschenk des Geistes und miteinander arbeiten.
gemeinsam die Welt gestalten im Geist des Evangeliums Jesu Christi.
Liebe Schwestern und Brüder, Christus wollen wir erkennen und die Macht seiner Auferstehung.
Das tun wir in versöhnter Vielfalt der konfessionell geprägten Kirchen, Gebetsformen und liturgischen Traditionen.
Der Heilige Geist, der die Toten lebendig macht und die verbindet, die getrennt waren, der möge aus unserem vielstimmigen Glaubenszeugnis ein symphonisches Osterhalleluja machen und eine glaubwürdige österliche Hoffnungsbotschaft für unsere Welt.
Amen.