Predigten Josef Grünwidl

Predigt zur Osternacht (19. April 2025)

19. April 2025, 21:00 Uhr

Erzdiözese Wien / Stephan Schönlaub

Eminenz, lieber Herr Kardinal, liebe Brüder im diakonalen und priesterlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder hier im Hohen Dom und über Radio Klassik Stephans Dom mit uns verbunden.
Frauen waren die Ersten beim Grab Jesu und sie bringen den Aposteln die Botschaft.
Der Gekreuzigte lebt, er ist auferstanden.
Doch die Apostel halten die Osterbotschaft der Frauen für Geschwätz.
Nur Petrus macht sich auf den Weg und geht zum Grab.
Er sieht das leere Grab und es hat im Evangelium eben geheißen, voller Verwunderung ging er wieder nach Hause.
Liebe Schwestern und Brüder, so klein.
So unspektakulär beginnt Ostern, in der Nacht im Morgengrauen, im Zwielicht.
Am ersten Tag der Woche, in aller Frühe, als es noch dunkel war, kamen die Frauen zum Grab.
Apropos Grab.
Manche Pfarrer haben ja die Gewohnheit, in der Osternacht auch einen Witz zu erzählen, damit das Osterlachen auch die Osterfreude über die Auferstehung zum Ausdruck bringt.
Ich erzähle Ihnen jetzt keinen Witz, sondern ein wirkliches Ereignis, das sich bei einem Grab und bei einem Begräbnis ereignet hat.
Ich habe es dem Herrn Kardinal vor der Auferstehungsfeier schon erzählt.
Wir hatten in der Erzdiözese Wien einen Priester, der war nicht ganz einfach, um es vorsichtig zu sagen.
Er hat in seinem Testament verordnet, der Erzbischof darf nicht mein Begräbnis halten.
Der Herr Erzbischof hat sich daran gehalten.
Dann war die Begräbnisfeier aber auch dementsprechend.
Es war alles ein bisschen chaotisch, natürlich nicht so gut vorbereitet, wie wenn ein Zeremoniär des Erzbischofs dabei ist, so wie wir es im Dom hier heute erleben, wo alles gut geplant und geprobt ist.
Und dann endlich kommen wir zum Grab und am Friedhof beim Grab gibt es noch einmal viele Reden.
Es dauert lange.
Und unvergesslich ist mir der letzte Grabredner.
Es war der Obmann des Kameradschaftsbundes.
Und er hat seine Rede mit folgenden Worten beendet.
Wenn jetzt das Sarg mit unserem lieben verstorbenen Pfarrer in die Erde gesenkt wird, spielt die Blasmusik den Zapfenstreich aus dem amerikanischen Kriegsfilm »Verdammt in alle Ewigkeit«.
Und da mussten dann, so wie jetzt auch hier im Dom, einige schmunzeln, ein paar haben sogar laut gelacht.
Verdammt in alle Ewigkeit, ich habe mein Begräbnis noch nicht geplant und auch nicht die musikalische Gestaltung, aber das wünsche ich mir nicht für mein Begräbnis.
Damit sind wir bei einer entscheidenden Frage.
In welche Richtung geht so eigentlich meine Grundstimmung?
Geht meine Grundstimmung in Richtung Oster-Halleluja, Freude, Dankbarkeit, Zuversicht, weil ich darauf vertraue, ich bin erlöst?
Oder geht meine Grundstimmung eher in Richtung verdammt in alle Ewigkeit?
Es stimmt leider, wir feiern Ostern immer im Zwielicht.
Denn das Leiden, Gewalt, Krieg und Tod bleiben immer dunkle Herausforderungen für unseren Osterglauben.
Der Auferstandene hat uns ja nicht versprochen, Leiden, Kriege und Tod sind abgeschafft.
Nein, das hat er uns nicht versprochen.
Aber er hat uns eines ganz entschieden gesagt, vertraut darauf, Leiden, Kriege und Tod sind
haben keine Zukunft.
Leid, Krieg, Hass und Tod hat keine Zukunft.
Österlich leben bedeutet also aus dieser Zukunftshoffnung des auferstandenen Leben, um auch in Krisenzeiten handlungsfähig zu bleiben.
Österlich leben bedeutet unverdrossen das Gute zu tun, ohne auf Erfolge zu warten.
Das Gute tun einfach, weil es gut und richtig und notwendig ist.
Österlich leben meint auch daran zu glauben, dass Feinde aufhören werden, einander zu vernichten.
Dass Feinde anfangen werden, miteinander zu
oder zumindest nebeneinander zu gehen.
Österlich leben heißt mitbauen am Gegenentwurf Gottes zu einer gewalttätigen oder zu einer gleichgültigen Welt.
Österlich leben heißt darauf vertrauen, mein Grab ist nicht meine Endstation, sondern mein Grab ist mein kleiner Vorgarten für die Ewigkeit.
Diese Hoffnung hat Zukunft.
Mitten im Zwielicht österlich leben, dem Licht mehr vertrauen als der Finsternis.
Liebe Schwestern und Brüder, nicht verdammt in alle Ewigkeit, sondern das Osterhalleluja wurde uns schon bei der Taufe als christliche Kennmelodie ins Herz eingeschrieben.
Ich wünsche uns allen, dass diese österliche Kennmelodie der Taufe uns wie ein Ohrwurm begleitet, in dunklen Stunden stärkt und uns Hoffnung schenkt.
Jene Hoffnung auf Vollendung und Ewigkeit, die Christus, der Auferstandene, in die Dunkelheit der Welt und in das Zwielicht unseres Lebens gebracht hat.