Predigten Josef Grünwidl
Predigt zur Verleihung der missio canonica auf Dauer an die Religionslehrerinnen und Religionslehrer (1. Oktober 2025)
1. Oktober 2025, 20:00 Uhr
Liebe Religionslehrerinnen und Religionslehrer, die heute die Missio Canonica auf Dauer, also die kirchliche Sendung und Beauftragung zum Religionsunterricht auf Dauer erhalten, liebe Schwestern und Brüder hier im Hohen Dom, lieber Weihbischof Franz, lieber Herr Delegat, Bischofsvikar, liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
Sehr hart und herausfordernd klingen die Worte Jesu an jene, die sagen, ich will dir nachfolgen, Herr.
So macht Jesus klar, Nachfolge ist kein gemütlicher Spaziergang.
Es geht ja hinauf nach Jerusalem, die in vielerlei Hinsicht ein anstrengender und herausfordernder Weg.
Schöne Worte allein, ich will dir folgen, Herr, wohin du auch gehst,
genügen Jesus nicht.
Er fordert klare Taten.
Alles zurücklassen, eine Entscheidung für ihn und seinen Weg treffen und nicht mehr zurückschauen.
Das heißt, Jesus legt die Latte sehr hoch.
Die Heilige des heutigen Tages, Therese von Lisieux, gehört zu denen, die den Weg der Nachfolge konsequent und in gewisser Weise auch ganz radikal gelebt und gegangen sind.
Wie schaut das bei uns aus?
Folge mir nach, geh und verkünde das Reich Gottes an.
Diesen Ruf aus dem Evangelium haben Sie alle, liebe Religionslehrerinnen und Religionslehrer, auf die eine oder andere Art und Weise auch gehört und sich für den Beruf des Religionslehrers entschieden.
Welche Voraussetzungen, welche Anforderungen gibt es für Sie?
Der Salzburger Religionspädagoge Anton Bucher hat es augenzwinkernd einmal so formuliert.
Religionslehrerinnen sollen missionarisch wie Paulus, systematisch wie Thomas von Aquin und menschenfreundlich wie Maria Montessori sein.
Das klingt natürlich nach einer glatten Überforderung, aber ich rate Ihnen, die Vergleiche mit Paulus, Thomas von Aquin und Frau Montessori nicht ernst zu nehmen.
So waren sie, glaube ich, auch von Professor Bucher nicht gemeint.
Ernst zu nehmen sind aber für mich diese drei Koordinaten für ihren Beruf.
Missionarisch, theologisch, menschenfreundlich.
Ihre Missionsreisen führen Sie nicht so wie Paulus nach Griechenland oder Kleinasien, sondern hinein in die Schulen, in die Schule, wo Sie hingesendet sind und beruflich wirken.
Was meint Mission und missionarisch sein?
Mir hilft da ein berühmtes Zitat von Papst Paul VI.
weiter.
Er hat einmal gesagt,
Der moderne Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Lehrer.
Und wenn er auf Lehrer hört, dann deswegen, weil sie Zeugen sind.
Ich denke, das gilt für jedes Unterrichtsfach.
Die Authentizität, die Glaubwürdigkeit des Lehrers, der Lehrerin ist gefragt.
Aber das gilt ganz besonders auch für den Religionsunterricht.
Missionarisch sein heißt also Zeugin, Zeuge sein.
Es geht, damit wir uns nicht missverstehen, es geht nicht darum, Kinder oder junge Menschen zu überzeugen oder zu überreden.
Die sollen ihre Entscheidungen frei und selber treffen.
Aber es geht darum, glaubwürdig, ehrlich, authentisch über den eigenen Glauben und auch über andere Religionen zu reden.
Zeugnis zu geben.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie für Ihr Glaubensleben es schaffen, die Wurzeln immer fester und tiefer in Gott hineinwachsen zu lassen, damit Sie im Religionsunterricht Glaubenswissen auf rationaler Ebene vermitteln und zugleich auch eine Zeugin, ein Zeuge des Glaubens für Kinder und junge Menschen sein können.
Die zweite Anforderung an Ihren Beruf, theologisch gebildet, systematisch wie Thomas von Aquin.
Sie alle sind gut ausgebildet.
Sie bringen für Ihren Beruf theologisches und pädagogisches Fachwissen mit und Sie schauen zurück auf eine jahrelange Berufserfahrung.
Sie haben Praxis.
Ich bin überzeugt, Sie vermitteln jungen Menschen Theologie oder Ethik
Nicht als trockenes Mehl, sondern als nahrhaftes Brot.
Und Sie haben sicher auch Ideen und Sie kennen Methoden, wie Sie nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen Ihrer Schülerinnen und Schüler erreichen können.
Wie Sie ihnen Religion als echtes Lebensmittel schmackhaft machen.
Missionarisch, theologisch und zuletzt auch menschenfreundlich wie, und da möchte ich wieder die Heilige des heutigen Tages nennen, menschenfreundlich wie Therese von Lisieux.
Sie hat erkannt, dass ihr Weg zur Heiligkeit darin besteht, dass sie in den kleinen Dingen des Alltags immer versucht, die Liebe zu leben, menschenfreundlich und liebevoll zu sein.
Sie, liebe Schwestern und Brüder, brauchen in Ihrem Beruf auch viel Liebe und Geduld und Menschenfreundlichkeit.
Denn ein Lehrer kann ja nur das gut unterrichten, was er liebt.
Das ist zum Beispiel der Grund, dass ich nie im Leben Mathematik unterrichten könnte.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Beruf gerne ausüben und auch als Berufung sehen.
Den Schülerinnen und Schülern immer wohlwollend, geduldig und freundlich, liebevoll zu begegnen, das führt sie sicher manchmal auch an ihre Grenzen.
Das ist herausfordernd.
Aber oft wird gerade bei den sogenannten verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen der Grundsatz gelten, wenn ich deine Liebe und dein Verständnis am wenigsten verdiene, habe ich es am dringendsten notwendig.
Ich danke Ihnen, dass Sie in der Schule für Kinder und junge Menschen, aber auch für Ihre Kolleginnen und Kollegen das menschenfreundliche Gesicht der Kirche sind und sein wollen.
Missionarisch, theologisch, menschenfreundlich.
Drei Koordinaten für den Religionsunterricht und jetzt noch eine Ermutigung.
Bitte vergessen Sie nicht, der schulische Religionsunterricht ist in Wahrheit alles andere als ein Nebenfach.
Und er ist auch kein kirchlicher Nebenschauplatz.
Der Religionsunterricht ist ein wichtiger Baustein im Lehrplan und die religiöse Bildung ein existenzieller Brennpunkt, wo vieles gebündelt wird.
Das Menschsein, das Menschwerden.
Dialogbereitschaft, für Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität, für Bewahrung der Schöpfung eintreten.
Kurz und gut also, es geht darum, Menschen Rüstzeug mitzugeben für eine gute Zukunft und für ein gutes Miteinander.
Was, liebe Schwestern und Brüder, könnte notwendiger sein?
als das Beispiel Jesu, seine Worte und Taten.
Was ist wichtiger als jungen Menschen die Botschaft des Evangeliums anzubieten, nahezubringen und sie für die entscheidenden Lebensfragen zu sensibilisieren?
Woher?
Wohin?
Wozu?
Und das auch in ökumenischer und interreligiöser Verbundenheit.
Die heutige Feier mit der Verleihung der Missio Canonica auf Dauer soll für Sie ein Zeichen der Wertschätzung und der Ermutigung für Ihren Dienst sein.
Im Namen der Erzdiözese Wien darf ich Ihnen heute auch ganz offiziell danken, dass Sie sich für diesen wichtigen Beruf entschieden haben.
Und ich wünsche Ihnen einen langen Atem und viel Freude im schulischen Alltag.
Ein gesundes Selbstbewusstsein im Wissen, ich unterrichte kein Nebenfach.
Und dass sie für Kinder und junge Menschen gute Lehrerinnen und Lehrer und auch glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen des Glaubens sind.



