CD der Woche

Quatuor Tchalik: Ravel und Lyatoshynsky.

24. August 2024, 07:25 Uhr

(c) Alkonost Classic

CD der Woche / KW 34 / 24. August 2024

Interpreten: Quatuor Tchalik
Label: Alkonost Classic
EAN: 3760288803355

Das Quatuor Tchalik ist ein reines Geschwister Quartett. Die vier Geschwister stammen aus einer französisch-russischen Musikerfamilie. Mit ihrer bereits fünften CD-Einspielung besinnen sie sich ihrer ukrainischen Wurzeln. Neben MAurice Ravels Dauerbrenner in F-Dur sind die beiden Streichquartette Nr. 2 und Nr. 3 von Boris Lyatoshynsky zu entdecken. Ein mehr als reizvoller Zeitvertreib findet Musikchefin Ursula Magnes.

Es wundert nicht weiter, wenn das Musizieren des Quatuor Tchalik wie aus einem Guss erklingt. Als hätte das Instrument Streichquartett ganz einfach 16 Saiten und ebenso 16 Hände. Und das geübte Ohr vernimmt womöglich auch die Schule von Günter Pichler, ehemals Primarius des Alban Berg Quartetts, immer noch ein Meilenstein im natürlichen Zugang zur Materie. Aber es ist ebenso vermessen nach der bereits tollen Karriere des Quartetts noch immer von den Lehrern zu sprechen. Sie sind mittlerweile selbst Maßstab. Und welcher!

Für die jüngste Einspielung wählte das Quartett neben Ravels F-Dur Quartett aus dem Jahr 1903 mit seinen jazzigen Elementen zwei Quartette von Boris Lyatoshinsky. Seine Streichquartette Nr. 2 (1922) und Nr. 3 (1928) entstanden in einer Zeit, in der die Entwicklung der ukrainischen Sprache und Kultur eine kurze Blütezeit erlebte. Das spürt man auch in der Musik mit ihrer großen stilistischen Freiheit zwischen folkloristischen Partikeln in Melodie und Rhythmus. Den Anklängen an die Wiener Schule und besonders im Streichquartett Nr. 3 „Suite“ eine gewisse Strenge in der expressionistischen Chromatik. Es flirrt ebenso impressionistisch – wie aufregend muss das Leben in Kiew gewesen sein, um solch eine Musik schreiben zu können. Traurig genug, dass uns erst der grausliche Angriffskrieg Russlands den Anstoß gibt, Musik ukrainischer Komponisten zu hören und zu entdecken.

Die grafische Gestaltung dieses Albums ist noch dazu von den Werken Alexandra Exters inspiriert, einer Schlüsselfigur der ukrainischen Avantgarde und Gründerin der kubo-futuristischen Bewegung in Kiew im Jahr 1914. Ein Streichquartett-Album, dass beim Hören und Schauen pure Freude macht. (um)