CD der Woche
Silenced
18. Oktober 2025, 07:35 Uhr
Interpreten: Hyeyoon Park, WDR Sinfonieorchester, Gergely Madaras
Label: Linn
EAN: 691062077224
Mit ihrer neuen Aufnahme stellt die Geigerin Hyeyoon Park nicht nur ihre technische Brillanz unter Beweis, sondern vor allem ihre Fähigkeit, musikalische Extreme mit innerer Logik und emotionaler Tiefe zu verbinden. Zwei selten gemeinsam zu hörende Violinkonzerte stehen im Zentrum dieser spannenden Veröffentlichung.
Die Geigerin Hyeyoon Park widmet sich auf ihrer jüngsten CD unter dem Titel Silenced den Werken zweier regimekritischer Komponisten. Dmitri Schostakowitschs erstes Violinkonzert, wegen seiner „formalistischen Verzerrungen“ verboten und erst 1955, nach Stalins Tod, uraufgeführt, ist ein Werk voller Abgründe, Ironie und innerer Zerrissenheit. Hyeyoon Park gelingt es, diese komplexe Klangwelt mit beeindruckender Intensität zu durchdringen. Ihr Ton ist klar, kantig, aber nie kalt. Besonders im Passacaglia-Satz entfaltet sie eine fast kammermusikalische Intimität, die vom Orchester mit großer Sensibilität aufgegriffen wird. Die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Gergely Madaras und dem WDR Sinfonieorchester wirkt dabei wie ein fein abgestimmter Dialog, der die dramatischen Kontraste des Werks eindrucksvoll zur Geltung bringt.
In aller Munde, bzw. auf aller Notenpulte, scheint derzeit, und das vollkommen zu Recht, die Musik der niederländischen Komponistin Henriëtte Bosmans zu liegen. Ein echtes Repertoire-Juwel ist das Konzertstück für Violine und Orchester, das vor fast genau 90 Jahren durch das Concertgebouw Orchester zur Uraufführung gebracht wurde. Es ist ein spätromantisches Werk mit impressionistischen Anklängen bei dem Hyeyoon Park wieder mit einer Interpretation, die zwischen lyrischer Wärme und virtuoser Leichtigkeit changiert, überzeugt. Die orchestrale Begleitung bleibt stets transparent und unterstützend, was der Solistin Raum für klangliche Nuancen und gestalterische Freiheit lässt. Das ist eine CD, die gleich auf mehreren Ebenen begeistert, nämlich die Repertoirewahl, die brillante und virtuose Interpretation und vor allem die künstlerische Tiefe. (mg)



