CD der Woche

Sommernachtskonzert 2026

22. August 2026, 07:35 Uhr

Interpreten: Bryn Terfel, Wiener Philharmoniker, Lorenzo Viotti

Label: Sony Classical

EAN: 199584619521

Sicher ist es ja nicht gewesen, ob das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker heuer stattfinden kann, nach all den finanziellen Einsparungen im Wiener Kulturbereich. Die Philharmoniker haben sich schlussendlich doch dafür entschlossen, und es war eine gute Entscheidung! Warum? Michael Gmasz weiß die Antwort.

Das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker, heuer bereits zum 23. Mal ausgetragen, hat sich neben dem Neujahrskonzert zu einem der wichtigsten Exportschlager der Wiener Philharmoniker etabliert. Wohl auch deshalb ist das Pendel zugunsten des Konzertes und nicht zu einer Absage ausgeschlagen. Zwei Debütanten haben sich zudem i8m Schlosspark in Schönbrunn eingefunden, der Walisische Bariton Bryn Terfel und der Dirigenten-Shooting Star Lorenzo Viotti.

Ist das Neujahrskonzert einer vermeintlich kleinen elitären Gästeschar im goldenen Musikvereinssaal vorbehalten, so erfreuen sich Jahr für Jahr zigtausende Besucherinnen und Besucher an den philharmonischen Sommerklängen in Schönbrunn. Und die Philharmoniker haben, ohne es überheblich zu meinen, über die Jahre viel dazugelernt, vor allem, was Prorammgestaltung für ein solches Event betrifft. Ernsthaft, aber unterhaltsam, so lautet das Geheimrezept offenbar und so ist auch die Zusammenstellung gelungen, von Suppè über Puccini, Tschaikowsky und Massenet, wunderbar Konzertmeisterin Albena Danailova, bis hin zu Ravel und Zequinha de Abreu. Auch Florence Price war wieder vertreten, diesmal weit weniger kritisch beäugt als noch beim Neujahrskonzert. Und Bryn Terfel hat sich mit Boitos Mefistofele, Verdis Falstaff, Wagners Wotan und Jerry Bocks Milchmann Tevje aus Fiddler on the Roof stimmgewaltig präsentiert. So muss Freiluftkonzert, wie man es wohl im Jugendsprech sagen würde. Abwechslungsreich, populär, nicht immer laut und schnell, auch mit leisen und romantischen Tönen versehen. Das Sommernachtskonzert ist übrigens oft Sprungbrett zur noch berühmteren „Konzert-Schwester“ im goldenen Musikvereinssaal. Ob die Philharmonikervorstände Froschauer und Bladerer im Zuge dessen bei Lorenzo Viotti angefragt haben, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Nur so viel dazu, Nézet-Séguin und Sokhiev haben jeweils wenige Jahre nach ihrem jeweiligen Sommer auch ihre Einladung für Neujahr bekommen… (mg)