CD der Woche

Suppè: Fantasia symphonica, Spanish Dances

27. Juni 2026, 07:35 Uhr

Interpreten: Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt, Ernst Theis 

Label: cpo 

EAN: 761203557325 

Es ist immer wieder faszinierend, Komponisten von einer anderen, ungewohnten, Seite kennenzulernen. Wie Franz von Suppè auf unserer CD der Woche, ganz ohne Operette, dafür mit symphonischen Repertoire. Ernst Theis hat mit dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt eine Rarität ans Licht bzw. zum Klingen gebracht, die Michael Gmasz begeistert. 

Boccaccio, Die schöne Galathée, die Ouvertüren zu Dichter und  Bauer zur Leichten Kavallerie – das sind die Werke, die man mit dem Komponisten Franz von Suppè in Verbindung bringt. Und das sind auch Werke, die man mit dem Dirigenten Ernst Theis durchaus in Verbindung bringen könnte, war er doch 10 Jahre lang Chefdirigent der Staatsoperette Dresden. Mit dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt widmet sich Theis auf der jüngsten CD jedoch einer anderen Facette Suppès, nämlich seiner symphonischen Musik. Die, quasi gleich einer Symphonie aufgebaute, viersätzige Fantasia Symphonica in A-Dur trifft dabei auf zwölf Spanische Tänze, die Suppè wiederum als den sonst so bekannten Meister schwungvoller, feuriger und origineller Tanzmusik zeigen.  

Theis geht an die symphonische Fantasie mit großem Ernst heran und das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt zeigt sich klanglich und auch technisch von seiner besten Seite. Auf Themen Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha hat Suppè seine Fantasie geschaffen, die wirklich alles hat, was man sich von einer Symphonie Mitte des 19. Jahrhunderts erwarten möchte. Man hört, dass er sein Handwerk auch im symphonischen Bereich gelernt hat, im kreativen Umgang mit Motivverarbeitung und Instrumentierung. Ist an Suppè auf Kosten seiner Bühnenwerke etwa ein großer Symphoniker verloren gegangen? Diese Annahme mag ein wenig übertrieben sein, aber diese symphonische Fantasie ist ein Werk, das sich im Konzertkanon der großen Säle nicht zu verstecken bräuchte. Zugegeben, wäre da nicht die übertrieben epochale Schlusswirkung des Finalsatzes. Die Spanischen Tänze sind dazu eine gelungene und leichte Ergänzung, die das Programm dieser CD wunderbar abrunden. (mg)