CD der Woche
Szymanowski
2. Mai 2026, 07:35 Uhr
Interpreten: Szymon Nehring, Polish National Radio Symphony Orchestra, Marin Alsop
Label: Rubicon
EAN: 5061094590117
Den polnischen Komponisten Karol Szymanowski kennen wir heute vorwiegend über seine Oper König Roger und sein Stabat Mater. Auch seine Violinkonzerte stehen, selten aber doch, hin und wieder auf Konzertprogrammen. Dem jungen polnischen Pianisten Szymon Nehring ist es ein Anliegen, auch Szymanowskis Klaviermusik wieder ein wenig in den Vordergrund zu rücken und mit seinem neuen Album, gemeinsam mit dem polnischen Radio Symphonieorchester unter Marin Alsop, ist ihm das auch hervorragend gelungen, findet Michael Gmasz.
Es ist schon irgendwie bezeichnend, wenn man in einer der großen Onlineenzyklopädien über das Schaffen von Karol Szymanowski liest – „Szymanowskis Hauptwerk besteht aus zwei Opern, Ballettmusik, vier Sinfonien, zwei Violinkonzerten, Liedern und Kammermusik.“ Und gleich darunter entdeckt, dass er nicht nur drei Klaviersonaten, sondern auch viele zyklische Klavierwerke, Einzelstücke und mit seiner Symphonie Concertante 1932 auch „eine Art Klavierkonzert“ geschaffen hat. Szymon Nehring hat sich für sein jüngstes Album für eine Auswahl aus den 20 Mazurken Op. 50 und eben jenes Klavierkonzert entschieden, das keinem Geringeren als dem legendären Artur Rubinstein gewidmet war.
Einflüsse durch den musikalischen Impressionismus, das frühe 20. Jahrhundert in Wien, von Igor Strawinsky und schließlich auch durch die polnische Volksmusik, der er sich, Béla Bartók gleich, forschend und rezipierend zugewandt hat, prägen seinen Spätstil. All diese Merkmale hört man auch in seinem als 4. Symphonie oder Symphonie Concertante getarnten Klavierkonzert Op. 60. Inklusive der, auch sonst in Szymanowskis Musik zu findenden, ekstatischen Ausbrüche. Szymon Nehring und das Symphonieorchester des polnischen Radios unter Marin Alsop nähern sich diesem, an der Grenze zur Tonalität liegenden, Werk auf ungemein mitreißende und virtuose Weise an. Genießen sowohl die kammermusikalischen Elemente, wie den Beginn des zweiten Satzes, als auch die bombastischen Fortissimo-Ausbrüche hörbar. Einen abwechslungsreichen Reigen an unterschiedlichen Zugängen zur Mazurka liefert zusätzlich Nehrings Auswahl von 10 Mazurken aus Szymanowskis Op. 50. Dem eingangs erwähnten Zitat aus dem Onlinelexikon möge also auch „sowie Klaviermusik“ hinzugefügt werden! (mg)



